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Guerilla-Theater gegen Räumungsklagen auf den Straßen Berlins (die echte Polizei kam später)

Eine Guerilla-Bewegung, die auf ganz andere Art die Guerilla-Taktik kopierte, kristallisierte sich Mitte der Sechzigerjahre in den USA heraus. Es handelte sich um eine politische Straßentheaterbewegung, die Anfang der siebziger Jahre vierhundert Gruppen zählte und bald unter dem Namen „Guerilla-Theater“ gehandelt wurde. Sie verstand sich als Teil der neuen Gegenkultur, die sich in der Hippie- und Studentenbewegung der Sechzigerjahre herausgebildet hatte. Das Guerilla-Theater weist verblüffende Parallelen zu heutigen Offline Guerilla Aktionen auf und ist durchaus als Vorstufe dessen zu sehen.

Die Theoretiker des Guerilla-Theater beriefen sich in ihren Aktionen z. B. auf Che Guevara und andere Strategen des Partisanenkriegs und definierten ihr Theater in direkter Analogie zum Befreiungskampf der Vietcong.

Da war das Theater eines Marc Estrin, das sich nicht als Theater oder Aufführung zu erkennen geben sollte. Die Taktik des Verstellens, die im Guerilla-Kampf eine große Rolle spielt, wird hier besonders praktiziert. Der Effekt: Überraschung, Schock, erhöhte Aufmerksamkeit, vor allem aber Nachdenklichkeit, wenn sich die ohnehin schon absurden Alltagszenen, die Marc Estrin auf der Straße inszenierte, als bloßes Schauspiel enttarnten.

Das Guerilla-Theater hingegen bei Ronny Davis und Richard Schechner setzte auf konventionelle Straßenaufführungen. Aber die waren zugleich so organisiert wie ein Guerilla-Kampf. So entwarf Schechner ein Szenario, bei dem eine Stadt den ganzen Tag lang mit zum Teil illegalen, unangemeldeten Aufführungen einer Strategie theatraler Nadelstiche ausgeliefert wird. Diese Strategie baute auf die Zermürbungstaktik der Guerilla und inszenierte Che Guevaras Hauptregel des irregulären Kampfes: „Hit & Run“ (Beißen und Ausreißen).

Auch Greenpeace nutzt noch heute regelmäßig Guerilla-Theater-Aktionen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit: Beispielsweise führte die Greenpeace Gruppe Aachen 2003 unvorangekündigt das Märchen „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ vor dem Kaufhof auf und informierte die Passanten über die Pestizid-Belastung der Waren.

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Die böse Alte hat Schneewittchen mit einem Pestizid-vergifteten Apfel (von Kaufhof) vergiftet

Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.