Wie kommt das Marketing in den Untergrund? Wie kommt es dazu, sich mit einem so subversiven Begriff wie „Guerilla“ zu verbinden? Marketing steht schließlich nicht gerade für Subversion, Provokation, Untergrund. Dann schon eher für Publicity, heile Welten und profitorientiertes Unternehmertum.

Neununddreißneunzig Oder ist die Glamour-Welt der Agenturen, Marken und Konzerne nur eine Fassade? Nur ein Tarnnetz, das den kriegerischen Charakter des Marketing vor der Öffentlichkeit verbirgt? Vielleicht hat Kultautor Frédéric Beigbeder ja Recht, wenn er in seinem Insiderroman „99 Francs“ behauptet: „Werbung ist Krieg.“ Marketingleute und Agenturen seien nur Soldaten in einem globalen Feldzug: für die Marke, gegen die Wettbewerber und um die Gunst der Verbraucher. Teil einer Schlacht, in der Vertriebsmannschaften an der Front agieren, Kampagnen abgeschossen werden und mit aller Gewalt um Zielgruppen und Marktanteile gekämpft wird.

Wohl nicht zufällig gibt es ja auch Marketing-Theorien, die sich unmittelbar an der herkömmlichen „Kriegsführung“ orientieren. „Marketing War-Fare“ von Jack Trout zum Beispiel aus den Sechziger Jahren heißt ein Klassiker der Wirtschaftsliteratur. „Kampfstrategien für Unternehmen“ (Barrie James, erschienen im Verlag Moderne Industrie, Landsberg) kam erst kürzlich auf den Markt. Und beschwört Strategien wie Wirtschaftskrieg, Abschreckung und Bündnisbildung als ultimative, wenn auch „etwas aggressive“ Lösung.

Also, ich finde, die Herren haben die Bodenhaftung verloren. Und in der Wortwahl gehörig daneben gegriffen. – Will die Schmöker jemand gratis haben, werfe aus Prinzip keine Bücher weg …?!

Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.