„Ich mach Guerilla Marketing und alle machen mit!“ Es scheint, als hat der Begriff „Guerilla Marketing“ Inflation. In wie weit schadet diese Entwicklung Eurer Ansicht nach dem Ansehen dieser Marketing-Disziplin? Entwickelt sich Guerilla Marketing immer mehr zum „Volkssport“ der Agenturen und wie schnell tritt deiner Meinung nach der „gesellschaftliche Gewöhnungseffekt“ ein? Oder anders: Wie lange ist innovativ wirklich innovativ?

Es ist tatsächlich so, dass sich inzwischen viele Agenturen und Freelancer damit profilieren, dass sie Guerilla Konzepte anbieten. Denn Guerilla Marketing verknüpft man automatisch mit guten Ideen und damit brüstet sich jede Agentur gerne. Die Ernüchterung folgt dann in der Regel stante pede. Nämlich dann, wenn es um die professionelle Umsetzung, um die markentechnische Einbettung, um die PR-Arbeit und um konkrete Erfolge geht. Hier sind die meisten sog. Berater schnell am Ende.

pappguerilleros
Aktivist im Außendienst: Nicht überall wo Guerilla draufsteht, ist offensichtlich Guerilla drin.

Um ehrlich zu sein, einige Medien/Redakteure sind bei dieser Entwicklung leider auch nicht ganz unschuldig. Denn auch sie sorgen durch konsequente Begriffsverwirrung dafür, dass am Ende keiner mehr weiß, was denn nun Guerilla ist und was nicht. So wurden, selbst in Fachtiteln und angesehen überregionalen Tageszeitungen, Guerilla Aktionen häufig gleichgesetzt mit Handzettel-Verteilaktionen, Verschenkaktionen an Ladenkassen oder mit dem Beschriften von Wasserflaschen.

Andererseits ist es erfreulich, dass sich immer mehr Dienstleister und Unternehmen unkonventioneller Werbung öffnen. Das trägt zur Etablierung und zu einer Integration von Guerilla & Co. im Mediamix bei.

Wichtig erscheint mir nur zu unterstreichen, dass man bei allen beteiligten Akteuren das nötige Maß Professionalität und Erfahrung voraussetzen muss: z. B. in punkto Markenführung und Medienarbeit. Sonst geht die Überraschung leicht nach hinten los. Aber das Problem ist ja beim klassischen Marketing nicht anders …
(vgl. auch Blogbeitrag vom 23. Februar 2006: „Guerilla Marketing: ein Begriff hat Inflation“)

Und was die Abnutzung von Guerilla Marketing angeht … Da liegt ja genau die Herausforderung an die Agentur: immer wieder Ideen zu finden, die faszinieren. Ich denke, morgen werden das zwangsläufig andere sein, als heute – was auch mit der Veränderung der Medienlandschaft und des Medienkonsumes zu tun hat. Aber, dass uns einmal nichts Innovatives mehr einfällt, davor habe ich keine Angst …

Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.