Wer richtig in ist, zieht den Stecker.

Wer richtig in ist, zieht den Stecker.

Die ganze Welt schreit nach SmartPhones. Das bedeutet natürlich, dass man heutzutage nicht mehr als Skihütte mit dem besten Panorama-Blick des gesamten Skigebiets, sondern mit WLAN auf’m Berg, von sich Reden macht. So las ich vor kurzem bei der Schladminger Stadtgemeinde die folgende Nachricht.

„Wir werden viele Access-Points auch an Liftstützen installieren, um auch in der Gondel und auf der Piste im gesamten Skigebiet gratis WLAN zu gewährleisten. Damit erfüllen wir die Erwartungen der Gäste in Bezug auf die Versorgung mit öffentlich zugänglichem, mobilem Internet und steigern damit die Attraktivität der Destination sowie der lokalen Betriebe.“

Da ist man beim Skifahren und checkt sich vor dem ersten Kaiserschmarr’n auf der Hütte bei Foursquare ein um seine Follower und Facebook-Freunde via Tweet und Statusupdate auf den Live Stream der Hütten-Kamera zu verweisen, wo man dann die nächste halbe Stunde winkend davor sitzt.

Wer was von sich hält der postet heutzutage stylische insta.gram Bilder von sich uns seinem frühmorgendlichen Nutellabrot, bis hin zum Betthupferl auf dem Kopfkissen. Das muss natürlich an den hart verdienten Urlaubstagen rund um die Uhr passieren, denn im Urlaub darf man das ja ganz offiziell!

Doch steigt die digitale Reputation wirklich, wenn man seine Urlaubseindrücke  „mit Apps aufgehübscht“ auf seinen Social Media Kanälen in Echtzeit veröffentlicht?

Heute wirbt man nicht mit dem Ausblick sondern mit der WiFi-Station.

Heute wirbt man nicht mehr dem Ausblick sondern mit der WiFi-Station.

Ich bin ehrlich. Ich liebe Facebook und bin auch ein Freund des regelmäßigen Postens und Kommentierens, doch ich empfinde großes Mitleid für jene Menschen, die im Stundentakt Bilder von ihren Urlaubstagen auf ihre Pinnwand laden. Wie traurig ist es doch, wenn man auf einem Berggipfel angekommen ist und als erstes den Impuls verspürt, ein Bild auf Facebook zu laden. Gipfel-Bekenntnisse eines Onliners à la „Schade, dass ich hier oben kein Bürgermeister werden kann.“ sind für mich zweifellos bemitleidenswert.

Wie wäre es, wenn man an solch einem Ort ganz einfach mal kurz inne hält und ganz still und leise die Aussicht genießt – und zwar nur für sich alleine?

Früher (also im Prä-Smartphone Zeitalter) schien das ja auch prächtig zu funktionieren. Doch jeder Trend wird bekannterweise von einer Gegenbewegung begleitet, die im Tourismus wie folgt aussehen könnte:

In Zukunft werben Hotels nicht mehr mit Slogans wie „WLAN. Bei uns sogar im eigenen Weinkeller möglich“, sondern zeichnen sich durch TÜV-geprüfte „Offline“-Zertifizierungen aus.

Wer in einem Offline-Hotel Urlaub macht, entscheidet sich also ganz bewusst dafür, in der Zeit seines Aufenthalts „nicht erreichbar“ zu sein. Möglich wäre hier eine Abschottung aller Mobilfunknetze über spezielle „Schallmauern“ oder aber durch die Verpflichtung beim Check-In sämtliche mobile Endgeräte abzugeben. Sollte dann doch ein Anruf  bzw. eine SMS beim Hotelgast eingehen, wird der Absender darüber informiert, dass der zu kontaktierende Herr bzw. die Dame gerade nicht erreichbar ist, weil er/sie Offline-Urlaub macht. Die folgende Statusmeldung könnte zukünftig den Stellenwert der „Always Online-Gesellschaft“ verändern.

Wer sich's erlauben kann, urlaubt in Zuknft totally offline.

Wer sich's erlauben kann, urlaubt in Zuknft totally offline.

Und eines ist klar. Der Offline-Tourismustrend hätte auf jeden Fall ’ne App verdient. Allerdings nur zum Zwecke der Recherche und der Buchung der Offline-Hotels. Im Urlaub selbst herrscht App-freie Zone und das nenne ich Luxus für Körper und Geist!