Guerilla Marketing

Greenpeace: die Umwelt-Guerilleros.

08 Feb 2006
Von 5 Kommentare

Den Spontan- und Happening-Protest der „68er“ führte weltanschaulich, aber auch strategisch die 1971 gegründete Umweltorganisation Greenpeace fort. greenpeace-boot,greenpeace,guerilla-aktion,guerilla-aktivisten,guerilla-marketingSie hat Guerilla im Dienste der Öffentlichkeitsarbeit geradezu perfektioniert. Die weltweit in 40 Ländern vertretene Organisation und damit größte ihrer Art in der Welt – für Kritiker bereits der Umweltkonzern schlechthin – ist der Inbegriff einer auf mediale Wirkung ausgerichteten gewaltfreien, zivilen Guerilla-Taktik.

Greenpeace-patentGreenpeace vereint wie zuvor die Subversive Aktion auf kongeniale Weise Protest, Provokation und Symbolik bei seinen direkten Aktionen. Einerseits geht es bei den Aktionen darum, Umweltfrevel zu verhindern; es handelt es sich um Protest, um Aktivismus im eigentlich Sinne. Gleichsam wird erzielt, auf unkonventionelle Weise das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Motto: Weltweite Medienberichte sind der Sache dienlicher als jede Massendemo. Somit besitzt jede Greenpeace-Aktion auch exemplarischen, symbolischen Charakter. Sie sollen im buchstäblichen Sinne demonstrieren. Die stärkste Symbolik geht dabei von der Strategie der Guerilla selbst aus. Sie steht für den bildlichen, hochmoralischen Kampf Davids gegen Goliath. Dadurch sind die Sympathien klar verteilt, vor allem sorgt eine solche Konstellation für enorme Spannung, in dem ein klares Gut-Böse-Schema unterstützt wird.

Greenpeace ist DAS Paradebeispiel für ein Unternehmen, dem es gelungen ist, seine Marke weltweit mittels Guerilla-Marketing zu etablieren. Erst gestern berichteten die Tagesthemen wieder minutenlang über eine Aktion, die eine Verschrottung asbestbelasteter französischer Militärfrachter verhindern soll. Aber trotzdem wird der Beitrag, den die tollkühnen Umweltaktivisten für das Guerilla Marketing leisten, in keiner Guerilla-Chronik, keinem Fachbuch und keiner Diplomarbeit angemessen gewürdigt. Das versuche ich zu ändern. Bleibt am Ball (RSS Feed abonnieren!).

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Allgemein / Viral Marketing

Kleiner Test. Ob viral oder nicht, muss sich noch zeigen.

07 Feb 2006
Von 9 Kommentare

PingokroneDies ist ein Versuch. Ich schätze mal, dass er total kläglich scheitern wird. Aber ich tue mein Bestes, um ein Scheitern zu verhindern. Also:

  1. Ich verwende ein Tierbild. Das Bild eines kleinen Tieres. Und dann noch das Bild eines Pinguins! Mit Fell! Menschen lieben so etwas!

  2. Es ist Bier mit von der Partie. Zwar nur die billige Adelskrone vom Penny, aber dafür ein Retroexemplar in der Dose (gibt`s nicht mehr)!!. Menschen lieben Bier. Und Menschen lieben Retrokram.

  3. Ich animiere die beiden Dinger total aufwendig. Ähnlich wie im Kino. Alle stehen auf bewegtes Zeugs. Und dann noch fellig und mit Bier! Das muss klappen.

  4. Ich bin total trendy, schwimme mit dem Strom und gebe der Meute was sie braucht. Dings für Ihr Handy.
    Einen animierten Bildschirmschoner. Optimiert für das weit verbreitete Sony Ericsson T610.

Was man tun muss?

  • geil animiertes Bild auf den Desktop ziehen
  • per bluetooth aufs handy schiessen
  • in den Einstellungen/Display/Displayschoner das Bild suchen und aktivieren
  • endlosen Fun, Fame und Fortune geniessen.

So. Damit ich auch erfahre, wenn die ganze Welt innerhalb einer Woche mit dem kleinen Pingo überschwemmt ist, muss mir natürlich jeder davon ein Bild schicken. Von Handy mit Bildschirmschoner.
Bitte an gomez@webguerillas.de, und ich stell das dann hier online.

OOOOuuuuuuh. Fast vergessen. Noch was ganz wichtiges bei dieser Thematik!

TELL A FRIEND!

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Guerilla Marketing

Der Spaß-Guerillero, der aus dem Sarg kam.

06 Feb 2006
Von 1 Kommentar

Nachdem mein letzter Ausflug in die 60er gleich eine rege Diskussion hervorrief :-), noch einmal ein Blick zurück auf die Urväter des Guerilla Marketing.

Einer der wichtigsten Ideengeber in der Kommune war der Ex-Schwabinger Dieter Kunzelmann. In seinen Erinnerungen „Leisten Sie keinen Widerstand“ lässt sich der Weg des Mannes verfolgen, der zum Prototyp der antiautoritären Bewegung wurde: Er fing als Clochard unter den Seine-Brücken von Paris an, stieß in München zur Gruppe Spur, wurde ebenfalls Mitglied der Situationistischen Internationale, begründete die Subversive Aktion, wechselte 1966 in West-Berlin zum SDS und rief schließlich die Kommune I mit ins Leben.

Bereits 1961 hatte Kunzelmann von einem Bauernhof in Südschweden aus seiner Familie in Bamberg geschrieben: „Wir versuchen, hier eine kollektive kommunistische und situationistische Keimzelle innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aufzurichten.“

Als im April 2000, rechtzeitig zur Welle der 68er-Revivals, in der „Berliner Zeitung“ eine kryptisch anmutende Todesanzeige erschien, in der ohne Orts- und Datumsangabe behauptet wurde, Kunzelmann habe nicht nur über sein Leben, sondern auch über seinen Tod „frei bestimmt“, hatte der „Obermufti des Chaos“, wie er sich selbst einmal bezeichnete, seine Wiederauferstehung bereits knapp 33 Jahre hinter sich.

Kunzelmann-Apo

Denn während der Trauerfeier für den früheren Reichstagspräsidenten Paul Löbe am 9. August 1967 in West-Berlin hatten Demonstranten, die „Freiheit für Fritz Teufel“ forderten, einen Sarg mit sich geführt. Als sich der Deckel öffnete, erhob sich der bärtige Kommunarde Kunzelmann, verteilte Flugblätter und schloss sich auf solch makabre Weise der Forderung an. Auch wenn manch einer das Ganze peinlich finden mag: Untertauchen, Täuschung, Geheimniskrämerei, Simulation und Selbstinszenierung – typische Taktiken des Guerilla Marketing bis heute – waren schon immer Kunzelmanns Lebenselexier.

Die Aktionen, die von der Subversiven Aktion angezettelt wurden, sollten anecken, provozieren, subtile Mechanismen und Tabus entblößen. Zugleich sollte ihr anarchischer Charakter ein Stück Selbsterfahrung, -reflexion und -befreiung sein. Die direkten Aktionen, die indirekt sicher auch auf das Marketing abstrahlten, waren historisch einmalig: Sie verbanden Spaß mit „Revolution“. Das gewollte Ergebnis: Mediengeschrei.

Die Außerparlamentarische Opposition war ein Medienstar und damit die erste Bewegung, die den Vermarktungscharakter exemplarischer Guerilla-Aktion erkannte. Ja, die direkte Aktion war gerade dazu bestimmt, vom Marketing absorbiert zu werden. Denn sie lebte vor, wie es gelingt, den einzig noch werbefreien Raum zu erobern: den redaktionellen Bereich. Das kommerzielle Guerilla Marketing geht insofern noch darüber hinaus, als dass es Medienpräsenz auch für rein werbliche Inhalte fordert.

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Online

U.S. Entertainment and Media Consumer Survey

02 Feb 2006
Von

JupiterMedia publishes the „U.S. Entertainment and Media Consumer Survey, 2005“, containing results from research into the surfing habits of 3000 Internet users in the United States.

The author of the report, Barry Par, states:

Even the most intensive users of newspapers and magazines spend less time reading these publications than they do online or watching TV […] TV and newspaper companies risk losing an entire generation of users unless they immediately start promoting their online products.

The media habits of the average user in the report break down as follows:

| Media type | Time |
|———-|—–|
| Magazines | 1 hour |
| Newspapers | 2 hours |
| Radio | 5 hours |
| Television | 14 hours |
| Internet | 14 hours |

In other words, Internet usage has drawn level with television, both of which alone account for more hours than the other media put together.

Furthermore, the survey found that even the most avid newspaper readers spent more time in front of the screen than with their nose in a paper. The survey also found that whilst avid television viewers were also likely to be avid Internet users, there was little correlation between Internet use and newspaper use, with only 19 percent of intensive Internet users also being intensive newspapers readers.

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Guerilla Marketing

Vergessen: die Urväter des Guerilla Marketing in Deutschland?!

01 Feb 2006
Von 6 Kommentare

Wenn ich heute mit jungen Mitarbeitern über die Guerilla Historie spreche und das Kürzel APO fällt, ernte ich zumeist fragende Blicke. So schnell kann das gehen, denke ich mir dann: Gestern noch Gallionsfiguren einer gesellschaftlich bedeutenden Bewegung und eine Generation später schon vergessen.

Denn die Außerparlamentarische Opposition (APO), die in den studentischen Auseinandersetzungen von 1968 ihren Höhe- und Endpunkt fand, hat die Technik der Guerilla auf einzigartige Weise adaptiert und revolutioniert. Ferment war dabei die so genannte exemplarische Aktion, die u. a. als Vorläufer der APO-typischen Protestform, des Happenings, gilt. Sie war die erste Äußerung eines spaßorientierten, antiautoritären Linksradikalismus in Deutschland. Es ging ihr u. a. darum, ohne die Mittel ideologischer oder weltanschaulicher Predigt aufzuzeigen, worin die eigenen Ziele lagen. Das Wort Demonstration war plötzlich ganz wörtlich zu verstehen. Darüber hinaus war Provokation der bürgerlichen Öffentlichkeit angesagt. Vor allem aber hatten die Aktionen originell zu sein. Dadurch sollten der eigene Anarchismus bedient werden, aber auch die Medien ihr Thema kriegen.

Denn die APO-Anhänger verstanden sich auch als eine Art Medien-Aktivisten: Auseinandersetzungen wurden über den redaktionellen Teil von Zeitungen und Medien geführt. Die APO war die erste Guerilla, die das Instrument der Medienpräsenz systematisch einsetzte – insofern sind sie für mich „Die Urväter des Guerilla Marketing in Deutschland“.

kommune1

Credit: SV-Bilderdienst / Hesterberg T. – Mitglieder der Kommune 1, 1967

Erste exemplarische Aktion, die bürgerliche Verkrustung politisch wie individuell-persönlich-psycholgogisch auflösen sollte, war die Kommune I. Gegründet um die Jahreswende 1966/67 verstand sie sich als Experiment und Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie mit ihrer repressiven Sexualmoral. Die Kommune war eine Provokation an sich und wurde damit als Ganzes zum Medien-Hype. Dazu trugen auch Sprüche bei, die das Programm und Selbstverständnis in witzige, originelle, damit medientaugliche Slogans fasste: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.“ Oder: „Was interessiert mich Vietnam, ich habe Orgasmusschwierigkeiten“ (was sich gegen die Spießer in der linksradikalen Bewegung selbst richtete).

So machten Kommunarden wie Fritz Teufel, Rainer Langhans oder Uschi Obermeier die Presse mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam, etwa weil sie auf den damaligen US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey ein Attentat mit Pudding-Pulver und Joghurt geplant hatten.

Und heute? Da wird in den Medien schon von einer Guerilla Aktion gesprochen, sobald man Handzettel im Pinguin-Kostüm verteilt. Armes Deutschland. Nicht nur was den Background vieler Nachwuchs-Kreativer anbelangt.

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