Der WWF geht mit seiner WWF-Tigerkampagne eindeutig den Weg der Social Media Kommunikation. Passend zum chinesischen „Jahr des Tigers“ kann man mit der neusten Facebook-Applikation selbst miterleben, wie sich das Aussterben der eigenen Art anfühlt. Nach Aktivierung der Applikation erscheint ein schwarzer Fleck, der sich immer mehr über den gesamten Monitor verbreitet, zeitgleich berichtet eine düstere Stimme über die dramatische Realität der letzten 3200 Tiger auf unserem Planeten und ruft zum Kampf gegen das Aussterben der letzten Tiger auf!

Eine meiner Meinung nach sehr gelungene Kampagne, die einen gleich in den Bann zieht und mit über 6200 Fans die Bildschirme der Fans/Liker virusartig erschwärzen lässt. Auch WWF-Pressesreferent Roland Gramling ist mit der bisherigen Resonanz der Aktion sehr zufrieden und hat uns exklusiv in einem Kurz-Interview ein paar Fragen zur Strategie der Online-Kommunikation vom WWF beantwortet.

1. Wieso habt ihr Facebook für die Kommunikation einer Guerilla-Aktion gewählt?
Die Hauptzielgruppe der „Tiger Kampagne“ im Frühjahr/Sommer sind Jugendliche und „jüngere Erwachsene“ bis 35 Jahren. Da ist es naheliegend, dass die Kommunikation hauptsächlich im Internet stattfindet. Facebook war für eine virale Aktion dieser Art für uns am authentischsten, da wir als WWF vor allem dort aktiv sind.

2. Wie steht der WWF generell für die Kommunikation über Social Media Plattformen?
Wir haben zwei Profile auf Facebook (ein Profil und eine Fanseite), einen Twitter-Kanal mit rund 4.000 Followern, eine YouTube-Seite und ein Flickr-Seite.

Die WWF-Jugend hat eine eigene Fan– und Profil-Seite auf Facebook, einen eigenen Twitterkanal und darüber hinaus Profile auf SchülerVZ und StudiV. Über unseren Media Newsroom haben wir die Social-Media-Angebote wieder in die WWF-Seite integriert. Ab Juni gibt es beim WWF sogar eine eigene Social-Media-Stelle – die Bedeutung wird damit für den WWF noch zunehmen.

3. Ist das eure erste Facebook-App in Deutschland? Wie ist die erste Resonanz auf eure App?

Nein. Die ersten Schritte haben wir mit den Moodpics gemacht. Zum Start der Tigerkampagne gab es auch schon eine App: Mit dem Tigergebrüll konnte man sein eigenes Foto hochladen und über Facebook und Twitter bzw. per E-Card sein Tigergebrüll in den eigenen Freundeskreis loslassen und sich somit ganz offiziell als Tigerretter outen.

Fazit: Für die Bewahrung der biologischen Vielfalt sind anscheinend gerade die neuen Medien wie Facebook, Twitter & Co besonders wichtig, denn hier sind genau diejenigen „zu Hause“, die der Schutz der Mutter Natur in Zukunft wohl am meisten betreffen wird, nämlich unsere Jugend. Und unter den Jugendlichen werden glücklicherweise doch nicht nur Themen wie „Welcher Flirt-Typ bist du?“, etc. gepostet und kommentiert. Daher überrascht es mich auch nicht, dass der WWF Jugend seine Tiger-Botschafter mit Unterstützung der eigenen Community aussuchen lässt, und hierbei ebenfalls auf Social Media setzt. So stellen sich einige der zehn Tiger-Botschafter-Kandidaten mit selbstgemachten Videos via YouTube vor, wie hier der sehr emotionale Film „Die Welt der Streifen“ von der Tiger-Botschaftsanwärterin Ulrike Leupold zeigt. YouTube Preview Image

Ein durchaus gelungener Ansatz einer Social Media Kampagne, die meiner Meinung nach nicht nur ein kurzer Brüller ist, sondern sehr wahrscheinlich auch für einen lauten Nachschrei sorgt. Verdient hätte es die Kampagne allemal.

Interesannt wird die weitere Umsetzung der Kampagne. Hier stellt sich mir zum Beispiel die Frage, ob die drei Tigerbotschafter, die im Namen vom WWF zum Tiger-Gipfel nach Wladiwostok fahren dürfen, auch live twittern und über Facebook berichten dürfen. Immerhin wäre das nach der bisherigen Kommunikationsstrategie des WWFs wohl der authentischste Kanal. Wir sind also gespannt.