Nun ja, ich kann mir schon vorstellen, dass es eine vergleichbare Umfrage bei deutschen Unternehmen hierzulande noch krasser ausfiele: Einer aktuellen Studie der US-Technologieberatung Rober Half zufolge, weigern sich jedenfalls rund 54% der befragten 1.400 Unternehmen (mit 100 und mehr Mitarbeitern) strikt, den Mitarbeitern das Facebooken oder Twittern zu erlauben.

Umgekehrt: Nur knapp 10% der Unternehmen gewähren demnach ihren Mitarbeitern prinzipiell jeglichen Social Media Freiraum, vorausgesetzt, dass die Nutzung der jeweiligen Social Media Plattform dienstlich begründet ist.

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Als Chef würde ich sagen: Natürlich sind die Vorbehalte der Unternehmen in gewisser Weise nachvollziehbar und sicher auch berechtigt. Denn viele Leute sind eben anfällig dafür, alle 10 Minuten den Post eines Freundes zu kommentieren oder selbst mit belanglosen Tweets à la „Mein Magen knurrt schon“ oder „Der Regen nervt“ die Netzgemeinde zu drangsalieren. Und dabei gerät das, wofür man in diesem Augenblick eigentlich bezahlt wird, leicht in Vergessenheit.

Hinzu kommt, dass einige Mitarbeiter durchaus kein ausgeprägtes Gespür dafür besitzen, was an Infos – speziell Firmeninterna – raus darf und was nicht (s. auch hier und hier).

Nichtsdestotrotz muss man sich dieser (neuen) Medien- und Kommunikationswelt stellen. Verteufeln, Verneinen, kategorisches Ablehnen bringt gar nix und ist zudem unfair: Denn Facebook, Twitter & Co. sind ja schon lange keine „Private Communities“ mehr, bei denen es nur um privates Gequatsche geht. Sie sind vielmehr Business-Plattformen und Bühnen fürs (Self-) Marketing, wie auch diverse Studien (u. a. diese) belegen. Will sagen: Der Anteil der Posts mit Business-Hintergrund überwiegt und trägt – zumindest kann ich das für unser Unternehmen sagen – durchaus zur Fortbildung der Mitarbeiter bei.

Okay, wir haben eben auch beruflich mit „Social Media“ und mit Marketingthemen zu tun. Die machen schon einen Großteil der Beiträge mit Businesshintergrund aus. Aber auch viele Fachmedien und Journalisten anderer Bereiche nutzen diese Kanäle heutzutage schon, um ihr Klientel mit aktuellen News zu bedienen und mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben.

Fest steht, und das meint Adam Ostrow von Mashable wohl auch mit seinem Abschlusskommentar: Man kommt heutzutage eigentlich nicht mehr drumherum, für sein Unternehmen eine Social Media Policy zu formulieren. Nicht, um die Mitarbeiter einzuschränken, sondern um klar vorzugeben, was geht und was nicht mehr zu tolerieren ist. Die Social Media Policy kann und wird nicht beim ersten Wurf perfekt sein (Das Grundgesetz ist auch nicht in zwei Wochen fix und fertig aufgesetzt worden). Aber so eine Social Media Policy bietet einen guten Korridor, innerhalb dessen man sich bewegen kann und soll.

In dem Zusammenhang würde mich mal interessieren: Wie (Ihr Chefs, die vielleicht unter den Lesern sind) geht ihr mit diesen Themen um? Gibt es in Eurem Unternehmen verbindliche Vorgaben, wie man Social Media nutzen kann bzw. darf? … Bin gespannt auf Euer Feedback.