bahn-roteampel-apManche Unternehmen haben den Einsatz von Social PR anscheinend nicht verstanden. Gestern berichtet Spiegel-Online, dass die Deutsche Bahn im Jahr 2007 über 1,3 Millionen Euro für vorproduzierte Medienbeiträge und Leserbriefe ausgegeben hat. Zusätzlich wurden Äußerungen in Internet-Foren und Meinungsumfragen, in denen das Unternehmen positiv dargestellt wurde, verbreitet.

Mit verdeckten PR-Aktionen Userforen zu überfluten, ist ein absolutes Tabu und zahlt sich auch nicht im Geringsten aus. Es ist daher wirklich verwunderlich, dass gerade ein Unternehmen, wie die Deutsche Bahn ernsthaft zu glauben schien, dass sich positive Mundpropaganda durch getürkte Forenbeiträge anregen lässt.

Bahnchef Rüdiger Grube bezog gestern bereits Stellung zu den schweren Anschuldigungen:

„Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar. Ich werde umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen.“

Bisher ist noch nicht bekannt, wie diese Konsequenzen genau aussehen. Nach Berichten der „Stuttgarter Zeitung“ und der Nachrichtenagentur dpa muss der Generalbevollmächtigte für Marketing und Kommunikation, Ralf Klein-Bölting, jedoch seinen Koffer packen.

Ich finde die ganze Geschichte neben aller Entrüstung über die Dreistigkeit der Deutschen Bahn fast schon ein wenig traurig. So zeigt sie doch, dass die Deutsche Bahn wohl nicht verstanden hat, was es heißt einen ehrlichen und offenen Dialog mit ihren Kunden zu führen. Anstelle sich der Kritik anzunehmen und mit ihnen in Dialog zu treten, wurde hier einfach auf Durchzug geschaltet und sich mit positiven Fakemeinungen und Leserbriefen selbst belogen. Entschuldigen Sie liebe Herrschaften, aber da beißt sich doch die Katze selbst in den Schwanz!

Ich frage mich ernsthaft, wann manche Unternehmen endlich aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen und das begreifen, was das Cluetrain-Manifest schon vor 10 Jahren feststellte:

wir sind keine zielgruppen oder endnutzer oder konsumenten.
wir sind menschen – und unser einfluss entzieht sich eurem zugriff.
kommt damit klar.