Diese Woche hat Facebook gleich zwei Mal zugeschlagen. Zum Einen verschwand praktisch über Nacht der mittlerweile schon beinahe sprichwörtlich gewordene „Fan werden“ Button aus dem blauen Social Network. Zum Anderen hat Facebook auf seiner Entwicklerkonferenz „f8“ weitreichende Änderungen an den internen wie externen Schnittstellen des Netzwerks angekündigt (und auch gleich umgesetzt), mit denen man laut eigenen Aussagen „gemeinsam das personalisierte Social Web bauen“ möchte.

Alles wird "Gefällt mir"

Klingt doch eigentlich nicht schlecht, oder? Mal abwarten.

Was ist neu?

Facebook entwickelt sich vom klassischen Social Network weg in Richtung einer allumfassenden Plattform für Community-Dienste, Personalisierung und Social Software. Martin Weigert hat diese Entwicklung in seinem Blog gut zusammengefasst und unterscheidet dabei – mittlerweile rückblickend – drei Stufen:

  1. Walled Gardens: Social Networks und Communities die für sich alleine funktionieren, und praktisch keine Schnittstellen nach oder von „draußen“ bieten.
  2. Das Network als Plattform: Facebook hat sich dieser Stufe schon vor einigen Jahren geöffnet. Mit Apps und der Möglichkeit viele verschiedene Inhalte zu integrieren.
  3. Das Web als Plattform: Der „big leap forward“. Einzelne Networks werden zur Basis-Infrastruktur eines wirklichen „Social Webs“. Websites, Portale, Plattformen und Online-Dienste bedienen sich der Infrastruktur eines Social Networks, um selbst Funktionen wie Personalisierung oder Recommendations anzubieten. Der User wiederrum kann praktisch alle seine Aktivitäten auf diesen Websites in Echtzeit mit seinen Freunden im Social Network teilen.

Facebook ist hier ganz vorne dabei. Twitter bastelt vorerst an seiner eigenen Plattform-Strategie @anywhere und unter dem Namen XAuth entsteht ein ähnliches Angebot von einigen weniger großen Sozialen Netzwerken.

Die Showcases die Facebook für sein überarbeitetes Entwickler-Portal versammelt hat, klingen allerdings bereits jetzt wie die Crème de la Crème des Web: CNN, IMDb, Levis und viele andere. Mit Microsoft zusammen wird sogar an einem Google Docs Killer gearbeitet.

Alles wird … gutsocial?

Was der User von diesen neuen Entwicklungen sehen wird? Vor allem die so genannten „Social Plugins“. Eine Reihe von Tools mit der Web-Developer nun ihre eigenen Websites an Facebook koppeln können. User können sich – wie bereits durch Facebook Connect – mit ihren Social Network User-Daten authentifizieren, Inhalte können per Klick auf „Like“ veröffentlicht werden, etc. Soweit nichts neues. Doch die neue Open Graph API lässt auch Kommunikation in die andere Richtung zu. Also von Facebook zur Website. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das bis dato verlässliche News-Portal nur noch Informationen passend zu den morgendlichen „Likes“ auf Facebook anzeigt. Recommendation, nennt das Social Network diese Funktion und will damit genau dort hin wo es weh tut: in die Mitte von allem. Sehr schön illustriert auch in der Header-Grafik des Facebook Developer-Portals:

Facebook als Netzwerk-Knoten

Facebook wird dadurch nicht nur zum Zentrum des neuen, strahlenden Social Webs (wie es sich Mark Zuckerberg vorstellt), es wird auch zum Zentrum eines Datenschutzproblems, das sich wohl nicht mehr einfach so lösen lassen wird. Denn eines ist klar: Möchten User ihr Web-Erlebnis personalisieren, so müssen sie auch ihre (persönlichen) Daten freigeben. In Zukunft wird es mehr denn je, in der eigenen Verantwortung jedes einzelnen Users liegen, seine Daten zu schützen. Staatliche Kontrolle kommt dem De-Facto Betriebssystem des Social Webs ja schon lange nicht mehr bei (wie man am eher peinlichen als ernstzunehmenden Kündigungsversuch von Verbraucherschutzministerin Aigner gesehen hat).

Und alle so … „gefällt mir!“

So beiläufig die Einführung des globalen „Like“-Buttons neben den beeindruckenden neuen technischen Möglichkeiten auch wirken mag, sie hat mit dem Prinzip des Social Webs made by Facebook mehr zu tun, als man will vermuten könnte. Facebook begründet diesen Schritt mit der offensichtlichen Attraktivität von so genannten „Lightweight Relationships“. Man klickt einfach lieber auf „Gefällt mir“ als sich als Fan von etwas zu outen. Oder im Umkehrschluss: es gibt einfach nicht unendlich viel, wovon man Fan werden könnte, aber Milliarden von Sachen die einem mindestens gefallen.

Also ermöglicht Facebook es nun jedem User, alles was er sieht, zu mögen. Wohin das führt ist klar: in Zukunft, kann alles was einem gefällt auch gegen einen zur Personalisierung verwendet werden. Ein unvorsichtiges „Like“ auf IMDb und schon werden die Lieblingsfilme im Facebook-Profil automatisch ergänzt. Ob man will oder nicht. Ein „Like“ im Levis Store und alle Jeans Marken dieser Welt wissen ganz genau, wem sie ihre Werbung zeigen dürfen.

Like here, like there, like everywhere. Und für alle Romantiker die es noch immer nicht wahr haben wollen: ein „Gefällt mir nicht“ ist in der schönen, neuen Facebook-Welt auch weiterhin nicht vorgesehen. Denn, wem etwas nicht gefällt, der wird es sich auch nicht kaufen. So einfach ist das – zumindest in der Logik von Mark Zuckerberg. Sehe ich mir jedoch aktuell meinen Newsfeed auf Facebook an, so muss man sich um einen Mangel an „Like“-fähigen Objekten wohl keine Sorgen machen. „This object cannot be liked“ – Fehlanzeige!

Übrigens: Hier könnt ihr gleich mal euren Mut beweisen und auf „Gefällt mir“ klicken …