Für einige Aufregung hatte am vergangenen Freitag ein Beitrag von AllFacebook gesorgt, der von einer im Test befindlichen Facebook-Funktion berichtete: das etwas populistisch als „Stalking“-Tool betitelte Subscribing-Feature, welches das Abonnieren von Inhalten bestimmter Freunde und Seiten ermöglichen soll. Wir gehöhren zu den wenigen Auserwählten, welche die Funktion schon seit einigen Wochen testen können und wundern uns etwas über die doch sehr kritische Berichterstattung – denn so schlimm ist das Abonnieren von Freunden gar nicht.

Facebook Abo-Bestätigung

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Jeder, der Facebook mit mehr als Hundert Freunden und ebenso vielen Fanseiten benutzt wird bestätigen können, dass es mit der Zeit äußerst schwer wird, alle Statusmeldungen, Fotos, Links und anderen Inhalten zu folgen, wenn diese quasi in Sekundentakt eintrudeln. Die Übersicht geht zwischen Farm-Anfragen, lustigen Party-Fotos und Spiegel-Eilmeldungen schnell verloren. Das dachte sich wohl auch Facebook und testet seit einigen Wochen schon eine neue Mechanik, die für mehr Übersicht sorgen soll: die Möglichkeit einzelne User und Fanseiten zu abonnieren.

Solch abonnierte User und Seiten erscheinen nicht nur im Newsstream sondern senden auch eine Benachrichtigung an den Abonnenten. Es werden dabei also nur Mitteilungen zu Beiträgen versendet, die man sowieso im Stream lesen könnte – das ist auch der Grund, warum wir ein Opt-In oder Opt-Out für die Funktion für völlig sinnlos halten.

Das Abonnement sorgt im Grunde nur für mehr Übersicht im Newsstream. Sollte der zwischenzeitlich wieder von 100 Farmville-Anfragen, Glückskekse und Spaß-Quizzes zugemüllt worden sein, wird der Abonnent trotzdem auf die Aktualisierung aufmerksam gemacht – verpassen kann man hier also nichts mehr.

Warum es im Zusammenhang mit dem Abonnement jetzt plötzlich heißt, Facebook kopiere das Follower-Prinzip von Twitter, ist für uns nicht ganz nachvollziehbar, da man bei Facebook seit es den Newsstream gibt, Freunden und Seiten automatisch „folgt“ – neu ist das also nicht. Durch das Abonnieren folgt man ja keinem neuen User, sondern wird nur auf neue Inhalte von Usern aufmerksam gemacht, denen man sowieso schon folgt. Letztlich bedeutet diese Funktion also nur: Mehr Übersicht für die User.

Interessant wird das Abonnement natürlich auch für Betreiber von Produkt- oder Unternehmensseiten, die in Facebook ja nicht nur gegen Mitbewerber, sondern auch gegen das gesamte soziale Netz der Zielgruppe um Aufmerksamkeit im Newsstream des einzelnen User kämpfen. Längst ist nicht mehr sichergestellt, das die Botschaften von Unternehmen überhaupt noch gelesen werden – je mehr Fans eine Seite hinter sich versammelt, desto mehr greift das altbekannte Gieskannenprinzip der „alten Medien“. Gelingt es einer Seite aber nicht nur sich durch „Gefällt mir“ sondern auch durch ein Abonnement an einem User zu binden, ist fast schon sicher, dass die Botschaft beim Konsumenten, Kunden oder Fan ankommt. Der Abonennt könnte also durchaus zum Indikator für die Qualität der Beziehungen zwischen Unternehmen und Kunden werden.

Abschließend betrachtet, kann man also über die derzeit getestete Subscribing-Funktion sagen, dass nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird: Dass eine Facebook-Funktion wie das Abonnieren eine solch dramatisierende Berichterstattung nach sich zieht, zeigt wie heiß gelaufen das Thema Facebook und Datenschutz im Moment ist. Nicht hinter jeder neuen Facebook-Funktion versteckt sich ein Datenschutzproblem und noch viel seltener eine überaus bedeutende Innovation.