Ein PR-Gau wie er im Buche steht. Vor wenigen Tagen wurden die folgenden Kampagnenbilder durch die Blogosphäre getrashbackt und durch die Twitterarena geretweetet. Seinen Ursprung fand die Kampagne auf dem Blog Adsoftheworld, wo das Bild am Montag veröffenlicht wurde. Hier wurde die DDB Brazil als ausführende Agentur für den Kunden WWF Brasil namentlich erwähnt!

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Gestern, am Donnerstag, den 3. September wurde gleich mehrfach ein Viral aus der gleichen Serie auf YouTube hochgeladen. Auch hier wurden die Macher dahinter als DDB Brazil im Auftrag für den WWF Brasil entlarvt. Die Aufruhr über die Geschmacklosigkeit am Rande des Ethik-Codex war verständlicherweise nicht nur unter den WWF-Mitgliedern groß.

Jetzt aber zur Kommunikation der beiden Organisationen (WWF und DDB), die in einer Krise2.0 endet. AdFreak ist der ganzen Sache auf den Grund gegangen und hat hier den chronologischen Verlauf der Kommunikationsschritte aufgezeigt.

Am Dienstag, den 1. September hat sich der WWF Brazil auf seiner Seite mit einem offiziellen Statement von der Kampagne distanziert und die Kampagne in die Schuhe der Agentur DDB Brazil geschoben.

Created by the publicity agency DM9DDB, this piece was presented to WWF-Brasil in December 2008, and we did not approve its circulation. According to DM9DDB, „the Tsunami ad for World Wildlife Fund was created by a team at DDB Brazil in December 2008. That team is no longer with the agency. DDB Brasil apologizes to anyone who was offended or affected by the ad. It should never have been made and it does not portray the philosophy of the agency“.

Und auch der WWF-US hat sich am nächsten Tag mit einer Pressemitteilung klar von der Tsunami-Kampagne distanziert und beteuert, dass die Werbekampagne niemals vom WWF freigegeben wurde und versehentlich an die Öffentlichkeit gelangte.

“WWF strongly condemns this offensive and tasteless ad and did not authorize its production or publication. It is our understanding that it was a concept offered by an outside advertising agency in Brazil. The concept was summarily rejected by WWF and should never have seen the light of day..

Am gleichen Abend, also am Mittwoch, den 2. September gab die DDB Brasil jedoch ein Statment ab, in dem sie sich gemeinsam mit dem WWF Brasil für die Kampagne verantwortlich zeigten. Hier hieß es wiederum:

WWF Brasil and DDB Brasil would like to jointly express their regret for the unfortunate incident involving the ‚Tsunami‘ ad for World Wildlife Fund Brasil. The ad does not convey either the philosophy of the client or that of its advertising agency. It was created and approved in late 2008, mistakenly, and was solely the result of lack of experience on the part of a few professionals from both parties involved. In no way was it done in bad faith or with disrespect to American suffering. WWF Brasil and DDB Brasil acknowledge that such an ad never should have been made, approved or published. We reiterate our apologies to all those who may have been offended by it. The two entities have worked together for three years to mobilize people, efforts and resources for the good of the environment. A single error should not obscure past successes, nor prevent future ones.“

Aber jetzt kommt’s richtig dick! Wenn der DDB Brasil so überhaupt nicht hinter den Inhalten der Werbekampagne steht, dann fragt man sich, warum sie die Kampagne ganz offiziell beim Cannes Filmfest eingereicht haben. Interessanterweise wurde die Kampagne auch im August im Advertolog vorgestellt, wo sich die DDB als offizieller Partner zu erkennen gibt. Hier wird übrigens der Präsident der DDB Brasil, Sergio Valente, als offizieller Executive Creative Director der Kampagne aufgeführt!

Witzigerweise verkündete Valente jedoch diese Woche auf der offiziellen DDB Brasil-Website, dass die Kampagne damals nur lokal geseedet wurde und er selbst verhindert hat, dass sie weitere Kreise zog. Spätestens hier hätte er als alter Hase des Geschäfts wissen müssen, dass seine PR-Strategie eines ethisch korrekten Agentur-Chefs nicht aufgehen würde. Denn:

Wer gute Public Relations machen möchte, sollte eben nicht nur die schöne Rede beherrschen, sondern in erster Linie die Fakten kennen.

Der WWF muss sich meiner Meinung nach deshalb jetzt auch zu Recht den Vorwurf der eigenen Mitgliedern anhören, die folgende Aussage anzweifeln.

„On behalf of WWF, here in the US and around the world, we can promise you this ad does not in any way reflect the thoughts and feelings of the people of our organization.”

Eins ist nämlich sicher, von irgendeinem WWF-Verantwortlichen muss die Kampagne freigegeben worden sein! Tja, und angeblich, war es ja auch nach Aussagen von Valente er persönlich, der die Kampagne damals zum stoppen brachte. Fragt sich also, warum hat hier keiner aus den WWF-Kreisen die Notbremse gezogen?

Ich denke mir hierzu einfach meinen Teil und freue mich an einem weiteren Paradebeispiel, wie man PR am besten NICHT machen sollte.