Die Suche nach lokalen Produkten und Dienstleistung verschiebt sich immer mehr weg von den Gelben Seiten, Suchmaschinen und Onlineverzeichnissen hin zu ortsbezogenen Diensten (Location Based Services) via einem Heer von Apps für Smartphones. Trotz Bedenken zum Datenschutz.

Funktionsprinzip

Das Funktionsprinzip von LBS ist einfach. Den meisten Diensten ähnlich ist die Funktion des Check-Ins. Sobald ich mich an einem bestimmten Standort befinde, habe ich die Möglichkeit, mich dort einzuchecken oder anzumelden. Unternehmen wiederum schalten Specials frei für diverse Auszeichnungen. Es gibt zum Beispiel ein Special für den ersten Check-In, aber auch den Mayor, also derjenige mit den meisten Check-Ins in einer Location. Weitere Anwendungsbeispiele von LBS sind interessante Orte in der Nähe, die eingeblendet werden. Es gibts Apps, die den eigenen Standort ermitteln, meine Freunde suchen, meine Arbeitszeit erfassen oder mit denen ich an einer virtuellen Schnitzeljagd teilnehmen kann. Die Möglichkeiten sind Endlos.

 

Hoffnung vs. Realität

Mittlerweile gehören standortbezogene und auf Mobiltelefone ausgerichtete Marketingmassnahmen zu den grossen Hoffnungsträgern vieler Brand- und Store Managers. In den Usa wird Facebook Places bereits von jedem dritten Marketingverantwortlichen eingesetzt. Hierzulande ist dieser Wert weitaus geringer, denn entsprechende Dienste sind nocht nicht so bekannt. Eine Umfrage von dubitresearch.com bei den 11-18 Jahre alten Jugendlichen in Grossbritannien ergab:  „48% haben noch nie von Places, Foursquare oder weniger bekannten Diensten wie Gowallaund SCVNGR gehört. 58% könnten keinen Grund für die Nutzung nennen, 45% meinten, dass location-based Services aus datenschutzrechtlicher Sicht nicht sicher genug seien.“

Von Stalkern bis zu Einbrechern, die Ängste der User vor Datenlecks bei LBS sind begründet. Hier müssen Verantwortliche im Online-Marketing noch viel Überzeugungsarbeit leisten und die Datenschutzeinstellungen müssen verbessert werden.

 

Gamification als Mehrwert

Den Anfang machten Check-In Dienste wie Foursquare und Gowalla. Der Mehrwert solcher Apps liegt dabei auf der Hand: User entdecken neue Orte und schalten Deals und Specials (Rabatte, Angebote) frei – und die Unternehmen werden, so zumindest die Hoffnung, von neuen Kunden besucht.

Dabei stellt sich zum Teil die Frage nach dem Ei oder Huhn. Denn bevor Unternehmen solche Dienste für Marketingzwecke einsetzen, muss sich eine kritische Masse an Usern bereits darauf tummeln. Doch ohne Deals von Unternehmen hat man wenig Anreize, solche Dienste überhaupt zu nutzen. Und Specials gibt es hierzulande noch sehr wenige. Also vertreibt man sich die Zeit damit, an mehr Orten einzuchecken als die eigenen Freunde oder an beliebten Orten zum Mayor aufzusteigen. Dieses sogenannte Gamification wird gerade von Anwendungen wie Foursquare auf die Spitze getrieben, scheint bei den Usern jedoch gut anzukommen.

 

Facebook mit neuem Versuch

Foursquare ist mit 15 Millionen Usern weltweit der bis heute erfolgreichste LB Service. Der Wert des Unternehmens wurde kürzlich auf 600 Millionen Dollar geschätzt. Viel wichtiger ist aber der geschätzte Umsatz der gesamten Branche von Standortbezogenen Diensten. Und dieser wird bis 2014 auf nicht weniger als 10 Milliarden US Dollar geschätzt.

Die Möglichkeit von Check-Ins und Deals hat natürlich auch Facebook auf den Plan gebracht. Das grösste Social Network sucht schon länger nach Wegen, um Facebook auf dem Mobiltelefon zu monetarisieren. Nach Places und Deals werden nun auch Werbeanzeigen den Einzug in die mobile Facebook-App erhalten. Der im letzten Jahr von Facebook aufgekaufte zweitgrösste LB-Dienst Gowalla ist mittlerweile komplett abgeschaltet worden. Einzelne Dienste von Gowalla werden in naher Zukunft sicher bei Produkten wie Deals und Places von Facebook wieder auftauchen. Von den über 800 Millionen Nutzer loggen sich 350 Millionen regelmässig per Smartphone ins Social Network ein. Angesichts dieses Potenzials von Facebook Places erscheint Foursquare mit seinen 15 Millionen Usern wie ein Zwerg.

 

Neue Dienste auf dem Vormarsch

Während Dienste wie Foursquare und Facebook Places auch in Europa schon länger aktiv sind, wurden andere Apps eben erst vorgestellt. Da fällt einem zum Beispiel der Dienst „Wallit“ auf, der an jeder beliebigen Stelle ein virtuelles Forum (in Form einer Augmented Reality Pinwand) erstellen kann. Schaut man sich die Stelle durch die Kamera des Smartphones an, erblickt man die Wand mit den hinterlassenen Kommentaren und kann gleich an der Diskussion teilnehmen.

Neue App Wallit
So sieht die virtuelle AR Pinnwand bei Wallit aus: Jeder kann von überall her den Inhalt lesen, um darauf zu schreiben muss man aber vor Ort sein. (Quelle: wallitapp.com)

Andere Apps wie SCVNGR lassen die User eine virtuelle Schnitzeljagd absolvieren, Aufgaben lösen und Belohnungen freischalten. Der Dienst stampr.de schafft die Treupunkte ab, die kleine Läden immer so gerne vergeben und ersetzt es mit einem simplen scannbaren QR Code an der Kasse und einer kleinen App dazu. Mittlerweile gibt es alleine für das iPhone über 6000 LBS Anwendungen.

Das Handy als Geldbörse

Dank der aufkommenden Near Field Communication soll das Handy denn auch schon bald zum Transaktionsgerät schlechthin werden: vom Angebot bis hin zum Bezahlen. Für Händler wie Kunde ist dies eine Win-Win-Situation, denn kleine Einzelhändler können Rabatte auch via Smartphone abrechnen.  Der Fokus liege vor allem auf der Verknüpfung von Personalisierung, sozialen Medien und Location Based Services, denn „nicht die Menschen suchen die Informationen, sondern Nachrichten, Meinungen und Werbung suchen die Menschen.” Auch der Coupondienst Groupon setzt in Zukunft vermehrt auf Standortbezogenes Marketing. Neu können mit Groupon Now! die User über ihr Smartphone Gutscheine in ihrem Umfeld lokalisieren und kurzfristig zuschlagen. Auch die Anbieter profitieren davon, da sie die Angebote z. B. nur für ein paar Stunden schalten und so die Auslastung besser steuern können.

 

Mobile bestimmt die Zukunft 

Egal wie bunt man sich die Zukunft ausmalt, sie wird mobil sein. Und während die ersten Geräte mit einem NFC Chip noch auf die grosse Markteinführung warten, haben es Dienste wie Yelp erst kürzlich an die Börse geschafft. Der virtuelle Gastroführer lässt an jedem beliebigen Standort das gewünschte Esslokal finden sowie die Bewertungen von anderen Usern einsehen. Zudem werden in der mobilen App Esslokale im Kamerabild inklusive Standort eingeblendet. Das nützliche Tool war eines der ersten AR Anwendungen auf dem iPhone und gehört heute zu den am meisten gebrauchten Location Based Service Dienste in den USA.

Deutschland hat übrigens mit Qype einen eigenen digitalen Gastroführer, ähnlich wie Yelp.

 

Bedeutung für Unternehmen und Fazit.

In absehbarer Zukunft wird ein Grossteil der mobilen Suchanfragen auch den aktuellen Standort übermitteln. Für Unternehmen gilt, die Chancen des mobilen Marketings zu nutzen und LBS als Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg einzusetzen.  Der Erfolg eines Unternehmens in Suchmaschinen und der Auffindbarkeit im Web 2.0 wird in Zukunft davon abhängig sein, ob die Besucher und Kunden in LBS zeigen, dass Ihr Unternehmen beliebt ist – oder auch nicht. In den USA haben Studien belegt, dass ein Restaurant im Durchschnitt pro zusätzlichem Bewertungspunkt (Stern) alleine auf Yelp ein Umsatzwachstum von 5% nach sich zieht. Schlechte Bewertungen haben einen noch stärkeren Ausschlag auf den Umsatz.

Unternehmen können sich also von der Konkurrenz abgrenzen indem sie Specials anbieten, die sich auch lohnen aus- respektive eingecheckt zu werden. Weiter müssen Sie von den LBS Apps auch gefunden werden. Dies bedingt eine komplette Pflege des Unternehmensprofil auf diversen Kartendiensten sowie ein Monitoring der eigenen Kundenbewertungen. Wer dies nachhaltig und konsistent macht, kann sich durch Location Based Services einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil erarbeiten.

 

Quellen:

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Standortbezogene_Dienste

2 http://mobile360.de/location-based-services-missing-link-m-commerce-38044.html

3 http://www.forbes.com/sites/ciocentral/2011/06/20/a-look-at-the-boom-in-location-based-services/

4 http://www.globonet-blog.ch/2011/06/21/wachstum-bei-den-location-based-services/

5 http://www.pyramidresearch.com/store/Report-Location-Based-Services.htm

6 http://mashable.com/2012/03/06/wallit-app/

7 http://www.scvngr.com/

8 http://www.forbes.com/sites/ciocentral/2011/06/20/a-look-at-the-boom-in-location-based-services/

9 http://www.wirtschaftsblatt.at/aktuell/groupon-will-aus-den-roten-zahlen-510218/print.do

10 http://www.alexa.com/siteinfo/yelp.com

11 http://www.smo14.de/2011/10/12/studie-positive-kundenbewertungen-steigern-umsatz/