Twitter-Tasse (© Webguerillas)

140 Zeichen zum Frühstück. Das dachten sich heute einige wackere Ritter der Münchner Social Media Szene und versammelten sich des Morgens in der Lounge 2 zum Social Web Breakfast. Neben Kaffee und Roastbeef wurden Insights zu den von der deutschen Twittergemeinde am stärksten kommunizierten Marken geboten. Jairson Vitorino von E.Life präsentierte die Ergebnisse eines aktuellen Monitoringprojekts, das untersucht, welche Marken bzw. Markenkategorien das lauteste Echo im Social Media Substrat „Twitter“ hinterlassen.

Derzeit liegen Daten aus dem Zeitraum von Ende Juli bis Ende August 2009 vor. Wie zu erwarten war, beanspruchen Apple bzw. das iPhone zusammen rund 18% des Buzz-Kuchens für sich und setzen sich damit weit vor den zweitplazierten Sony mit knapp 5%. Danach folgen ex aequo mit jeweils rund 3,8% Linux, Microsoft und – als einzige signifikante Handelsmarke – Ikea. Eine tatsächliche Begründung für dieses doch sehr Geek-lastige Ergebnis wurde nicht geliefert. Der Zusammenhang zwischen Technologiemarken und dem durchschnittlichen Nutzer des Lowlevel-Social Networks „Twitter“ scheint jedoch nicht von der Hand zu weisen zu sein. Denn auch die Twitter-Allzweck-Peitsche #fail wird laut der vorliegenden Analyse hauptsächlich Technologie- bzw. Kommunikationsunternehmen hinterhergeknallt zu Teil.

Interessanterweise decken sich die von den Top-Influentials – also den meist-verfolgten deutschen Twitter-Usern – am stärksten diskutierten Marken nur Ansatzweise mit den allgemein am stärksten gezwitscherten Marken. Noch ist nicht klar bzw. durch den Mangel an validen Daten auch noch nicht nachweisbar, wie und ob sich dies dynamisch über die Zeit verändert. D.h. ob eine Marke die von einem der Top-Influentials gepostet wurde, sich beinahe gezwungenermaßen auch irgendwann unter den Top-Marken wieder findet. So sehr sich die Szene gerne den Touch der Meinungsführerschaft auf den Bauch pinselt, so dringend müssen hier auch fundierte Analysen ins Spiel gebracht werden.

Eine singuläre Betrachtung von Twitter-Posts erscheint aber aus vielerlei Hinsicht fraglich. Zunächst – und dieses Zitat war mit eines der treffendsten des Frühstücks – ähnelt eine derartige Beobachtung dem Belauschen von Gesprächen einer Szenebar und ihres Stammpublikums. Geistiger Inzest auf hohem Niveau. Andererseits liegt eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre darin, dass Konsumenten immer mehr auch in Netzwerken denken, interagieren und kommunizieren. Netzwerke bilden dabei den Zusammenhang verschiedener Kommunikationskanäle ab. Wer einen Konsumenten erreichen will, bzw. wissen will, was tatsächlich „Talk of Town“ ist, muss daher das Netzwerk seiner Kunden kennen und innerhalb dieses spezifischen Geflechts kommunizieren. Es stellt sich daher nicht mehr die Frage nach einzelnen Plattformen oder ihrer solitären Bedeutung, sondern viel mehr die Frage nach ihrer Bedeutung und kommunikativen Rangordnung innerhalb eines individuellen, user- bzw. konsumentenzentrierten Netzwerks aus Kommunikationskanälen. Eine solche Netzwerkbetrachtung ist – durch moderne Monitoring-Tools gestützt – bereits heute möglich. Bis Unternehmen jedoch flächendeckend auf derartige Insights setzen, werden wohl noch einige Tweets den Feed hinunter gepostet werden.