Guerilla Marketing Kongress_LogoAm 2.6.2006 fand im Kölner Mediapark der dritte Guerilla Marketing Kongress statt. Insgesamt hat es sich auf jeden Fall gelohnt, doch am Ende ist mein persönliches Fazit etwas durchwachsen. Und das vor allem aus zwei Gründen …

Positiv aus meiner Sicht:

  • Die enorme Nachfrage … der Guerilla Marketing Kongress war nicht nur erstmalig ausverkauft, sondern auch qualitativ gut besetzt (Vertreter vieler Agenturen, sogar internationaler Networks waren genauso interessiert wie Marketingexperten renommierter Unternehmen … Hochschulvertreter waren da … Medien … und, und, und).
  • Der Referenten-Mix: alle kamen zu Wort … Vertreter aus der klassischen Ecke mit GM-Ambitionen (Agentur Oysterbay/Ex-Springer & Jacoby-Mann Wulf-Peter Kemper) … Unternehmensvertreter und Studis (Case Study: Onvista) … Verbandsvertreter (Ambient Media) … Blogger (VM-People/Case Study fischerwerke) … und die webguerillas als Spezialagentur für unkonventionelle Werbung (Keynote/Sensation Marketing, Ambush zur Fußball WM 2006).
  • Und: Organisation und Stimmung waren gut.

Etwas schade: Die Location war trotz Abdunklung zu hell, dadurch litt die Qualität der an die Wand geworfenen Charts doch enorm.

Zwei grundlegende Dinge möchte ich aber nicht nur einfach erwähnen, sondern offen weiter diskutieren.

  1. Gehört es einfach zur Imagefestigung, oder ist es eher destruktiv wenn sich Experten im Zusammenhang mit GM immer wieder kriegerischer Bilder bedienen? „Freibeuter im Marketing“, Totenkopf-Flaggen, „Eintritt in die Waffenkammer“, „… im Kampf gegen …“, „Die Schlacht ist geschlagen“ … Klar, man kann sagen: Das sind doch nur (Wort-) Spielereien, um den Rahmen etwas aufzulockern. Und: Guerilla weckt doch automatisch Assoziationen an Kampf und Krieg. Richtig. Aber muss man es deshalb noch betonen? Wir wissen ja aus diversen Studien, dass sich immer noch viele Entscheider von Kriegsrhetorik und einer martialischen Wortwahl abschrecken lassen. Und allein deshalb Guerilla Marketing & Co. generell ablehnend gegenüber stehen.

Ich kann das nachvollziehen. Und finde es auch absolut leichtfertig, ja sogar extrem gefährlich, Guerilla Marketing immer wieder in einen gewalttätigen Zusammenhang zu stellen. In sofern würde ich mir wünschen, dass dies schnell ein Ende findet.

  1. Der Kongress hat mir auch gezeigt, dass wir Akteure uns bei der Etablierung unkonventioneller Werbeformen in Deutschland selbst im Weg stehen: indem wir versuchen, für jeden neuen Pups ein neues Schlagwort zu finden (Ist das nicht manchmal einfach nur Wichtigtuerei?). Ambient Marketing … Ambush Marketing … Buzz Marketing … Godzilla Marketing … Guerilla Marketing … Meta Marketing … Shock Marketing … Viral marketing … Word-of-Mouth-Marketing … Puuuh, da gibt sich nicht nur der Laie geschlagen, da blickt auch der Experte nicht mehr durch. So ein Kauderwelsch! Zig Begriffe und keinen Schritt weiter bei der eindeutigen Kategorisierung der Maßnahmen!!! Ist denn nicht Guerilla Marketing auch Viral- bzw. Word-of-Mouth-Marketing? Kann man nicht auch gezielt in bestimmten Ambienten ambushen? Und so weiter.

Die Marketingwelt braucht nicht mehr, sondern weniger Begriffe!!! Im Grunde sogar nur einen: Sensation Marketing.

Denn dieser eine Begriff beschreibt den Kern aller oben genannten Ideen: durch spektakuläre Online/Offline-Inszenierungen
– die Marke zum Ereignis machen, ihr BEDEUTUNG zu verleihen,
– die Marke zum Thema für Mundpropaganda und Medienberichte machen (und dadurch kostengünstig Reichweite generieren).

Eben: Werbesensationen zu schaffen (Nomen est Omen).

Was meint Ihr?

Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.