Wer verallgemeinert, ist stets im Unrecht – mag er noch so einen berühmten Namen tragen. Das sollte Richard Wagner, Redakteur der FAZ Sonntagszeitung, eigentlich wissen. Und sich mit seinem Rundumschlag (Ausgabe vom 9.11.08) nicht auf das Niveau derer begeben, die er eigentlich kritisiert: Wagner mag keine Blogger und sieht keinen substanziellen Mehrwert in der Bloggerei. Immerhin: Darin sind sich die SZ und die Faz offensichtlich mal einig.

faz-blogger

Dass Richard Wagner indirekt seinen eigenen Stand diskreditiert und nicht nur die Blogger, die er „Asoziale“ nennt, ist ihm wahrscheinlich nicht bewusst. Wie auch, er liest ja keine Blogs – jedenfalls nicht die Tausenden, die regelmäßig lesenswerte, gut recherchierte und eloquent formulierte Artikel bringen: nämlich z. B. die seiner Journalistenkollegen Thomas Knüwer, Klaus Eck, Christoph Berger, Conrad Seidl, Jean Pierre Hintze oder … ja, oder Holger Schmidt: Der schreibt nämlich unter dem Titel „Netzökonom“ einen bemerkenswerten Blog für faz.net (sieh an, sieh an!).

Vielleicht sollte Herr Wagner auch mal einen Blick über seinen Tellerrand werfen: In den USA ist die Journalistenzunft unter den Blogschreibern noch weitaus zahlreicher vertreten, womit hierzulande – nach allen Regeln der Internetgeschichte – in Kürze eben auch zu rechnen sein wird … Und dies nicht bloß, weil die Verlage ihre Leute auf die Straße setzen, sondern weil Blogs den Journalisten neue Informations- und Interaktionsmöglichkeiten bieten.

Dabei will ich nicht verhehlen, dass bei den abertausenden Junkblogs, die es natürlich genauso gibt, schnell der Eindruck entstehen kann, „die Blogosphäre“ produziere (fast) nur Müll. Klar:

Je mehr user generated content es gibt, desto weniger brauchbar wird dieser!

Aber das rechtfertigt noch lange nicht eine derart undifferenzierte Pauschalkritik (von der unsäglichen, völlig indiskutablen Headline des Artikels will ich erst gar nicht reden). Mit der Richard Wagner nicht nur sich als Journalist, sondern auch seinen Arbeitgeber disqualifiziert.

Eines hat der FAZ-Redakteur zweifelsohne geschafft: dass der 9.11. ein weiteres Mal mit einem besonderen Ereignis verbunden werden wird, wenngleich er sich vielleicht wünschen würde, dass dieser Artikel doch schnell in Vergessenheit geriete.