Online-Stratege Jeremiah Owyan hat auf seinem Blog einen sehr interessanten Artikel über die Entwicklung des Social Web veröffentlicht. Er teilt die Entwicklung in fünf Phasen oder auch Zeitalter ein, wobei wir nach seiner Meinung bereits Ende des Jahre in der dritten Phase „Das Zeitalter der sozialen Kolonisation“, angekommen sind, in dem User ihre sozialen Beziehungen auch immer mehr im Netz erleben möchten. Hier eine kurze Beschreibung der fünf Phasen:

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1) Zeitalter der sozialen Beziehungen:
Seit Mitte der 90er legen User eigene Userprofile an, um sich mit ihren Freunden zu vernetzen und Informationen bzw. Daten miteinander auszutauschen.
2) Zeitalter der sozialen Funktionalitäten:
Soziale Netzwerke sind mehr als nur eine Austauschplattform unter Freunden. Soziale interaktive Applikationen bestimmten vielmehr das neue Zeitalter. Soziale Netzwerke werden zu den neuen Betriebssystemen.
3) Zeitalter der sozialen Kolonisation:
Bis Ende 2009 lösen neue Technologien wie OpenID und Facebook Connect die Grenzen der sozialen Netzwerke auf und erlauben Usern ihre sozialen Beziehungen in verschiedene Bereiche des Webs zu integrieren. Die Inhalte sozialer Netzwerke verbinden sich mit klassischen Internetsites.
3478168483_676909f735 4) Zeitalter des sozialen Kontexts:
In den folgenden Jahren können herkömmliche Websites persönliche Userdaten herausfiltern und damit soziale Beziehungen der User identifizieren. Soziale Netzwerke werden zur Basis für alle webbasierten Interaktionen.
5) Zeitalter des sozialen Handels:
In etwa zwei Jahren werden soziale Netzwerke wichtiger sein als Corporate Web Sites und CRM-Systeme, da individuelle Identitäten und soziale Beziehungen immer mehr zählen. Starke Marken werden die Interessen der Commmunities nicht mehr vernachlässigen können und Fans ihrer Marke in die Produktentwicklung einbeziehen.

Natürlich gibt er auch eine Anleitung, was Unternehmen zu tun haben, um den Sprung ins neue Zeitalter nicht zu verpassen:

Nicht zögern:
Die Veränderungen im Internet kommen schnell. Laut Owyan werden wir bereits Ende des Jahres in der dritten Phase ankommen. Firmen sollten daher beretis jetzt ihre Onlinestrategie an die neuen Entwicklungen anpassen, bevor es die Konkurrenz tut.

Transparenz heißt das Zauberwort:
User werden das Internet in Zukunft gemeinsam mit ihren Freunden durchforsten und sich darüber austauschen. Das bedeutet, dass Unternehmen einen Plan haben sollten. Es ist daher wichtig, dass man bei jeder neuen Website bzw. jedem neuen Produkt eine Plattform bietet, wo Fans darüber sprechen können. Auch wenn das Unternehmen an der Diskussion nicht teilnimmt.

Vernetzt Euch mit Euren Fans:
Firmen müssen den Dialog mit den eigenen Fans aufbauen bzw. aufrecht erhalten. Fans sind die ehrlichsten Kunden, sie geben wertvolle Insights über Produkte und verteidigen ihre Lieblingsmarke bzw. Produkte aus Überzeugung und sind damit authentisch. Meinungen von Fans glaubt man mehr als klassischen PR-Meldungen von Unternehmen. Gerade weil Communities mehr an Bedeutung gewinnen, werden sich User und insbesondere Fans immer mehr über Produkte und Marken austauschen können. Fans werden somit zum Schlüssel einer erfolgreichen Online-Kommunikation.

Bezieht das eigene Unternehmenssystem mit ein:
Das gesamte System eines Unternehmens muss sich im sozialen Netz verbinden. Soziale Netzwerke werden zu einem wichtigen Medium für die Gewinnung von wertvollen Kundeninformationen. CMS-Systeme sollten daher auch soziale Features mit anbieten, die ins eigene Online-Angeobt eingebunden werden. Möglich wäre auch, dass man sich in eine bereits bestehende Community einklinkt, um dort den Dialog zu seinen Fans bzw. Usern allgemein zu suchen.

Löst die eigene Corporate Website auf:
In Zukunft werden User sich nicht mehr über klassische Corporate Websites informieren. Unternehmen müssen daher akzeptieren, dass ihre Corporate Websites stetig an Bedeutung verlieren wird und immer mehr zum Social Web übergehen muss. Die wichtigsten Informationen über eine Marke bzw. ein Produkt müssen in die Communities getragen werden, wo sich interessierte User und Fans bewegen und miteinander austauschen. In diesem Sinne: Werft die Angel dort aus, wo Eure Fische schwimmen.

3478041905_f522c133f0Sehr interessanter Artikel. Schaut man noch mal auf das Zeitfenster, das hier greifen soll, werde ich jedoch etwas skeptisch. Tendenziell finde ich die Überlegungen aber absolut spannend und sehe auch in den meisten Prognosen eine bedeutende Relevanz. Die Frage ist nur, in wie weit Unternehmen sich hier wirklich schon damit auseinander gesetzt haben.
Um hier den Zug zum neuen Zeitalter nicht zu verpassen, braucht es nicht nur eine komplette Veränderung was das Management betriftt. Die Markenhoheit gibt man eben nicht mal so eben freiwillig aus der Hand. Es braucht meiner Meinung nach aber auch qualifizierte Mitarbeiter, die sich innerhalb eines Unternehmens der neuen Kommunikationsstrategie annehmen. Es hilft nämlich nichts auf sämtlichen Social Communities eigene Fangruppen zu eröffnen, ohne den Fans einen Mehrwert bzw. einen direkten Dialogpartner zu bieten.

Dahinter steckt natürlich auch Zeit und Manpower – im Klartext Investitionen. Ob die Unternehmen in diesen Zeiten bereit sind hier zu investieren, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.