Ford hat mit seiner Ford FIesta Movement-Kampagne im April eine runde Social Media-Sache ins Rollen gebracht. Mancher Blogger schreibt sogar von dem ultimativen Social Media Experiment.

Die Mission is simpel: Der Ford Fiesta wird von 100 ausgewählten Testern aus den USA für sechs Monate auf Herz und Nieren getestet. Somit soll ehrliches Feedback von zukünftigen Kunden eingeholt werden, bevor der Ford Fiesta im Jahre 2010 in den USA in Produktion geht. Die gesammelten Eindrücke, Impressionen und Erlebnisse der digitalen Influencers werden über die verschiedensten Social-Media-Tools wie Twitter, YouTube, Facebook, den persönlichen Blogs und Flickr verbreitet.
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Scott Monty der Social Media-Verantwortliche von Ford spricht in dem Interview mit CenterNetworks davon, dass die 100 Ford Fiesta-Fahrer wie professionelle Redakteure behandelt werden, die keine redaktionellen Regeln für ihre Reviews vorgesetzt bekommen. Schön und gut, aber wie hat Ford die so genannten Influencer ausgesucht?

The one hundred people were selected based on two scores which Ford referred to as a social vibrancy rating which is based on how much the applicant was followed online and across how many platforms. this was combined with and over all grade on creativity, video skills and their ability to hook a viewer within the first five to ten seconds.

Der Vorwurf, dass die meisten der 100 Tester junge Männer sind, die eventuell die Bedürfnisse einer älteren Zielgruppe völlig außer Acht lassen, entgegnet Monty damit, dass der Ford Fiesta zusätzlich in verschiedenen amerikanischen Großsädten für kurze Probefahrten zur Verfügung steht. Hier darf dann wirklich jeder ans Steuer. Da die Kampagne auf Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter, YouTube usw. stattfindet, finde ich eine tendenziell jüngere Testgruppe absolut authentisch. Die Testfahrer sollen sich ja auch schon vor dem Test auf den Social Media-Plattformen bewegen, und nicht erst dazu trainiert werden ihre Meinung darüber kundt zu tun.

Das übergeordnete Ziel der Kampagne definiert Monty darin, dass Kritik und Verbesserungsvorschläge der Tester auch tatsächlich umgesetzt werden können, so befindet sich die Produktion des Ford Fiestas in den Staaten bisher noch in der ersten Planungsphase.

Mein Fazit: Gerade in Zeiten der Krise begreifen immer mehr Marketingverantwortliche, dass die klassischen Kampagnen mit perfekt durchgetexteten Werbeslogans und hochprofessionellen Videoaufnahmen nicht mehr überzeugen können. So liegt es doch auf der Hand, dass sich in Zeiten der Unsicherheit viele Menschen an ehrlichen Meinungen von Gleichgestinnten orientieren möchten. Darauf hat auch Ford mit dem Ford Fiesta Movement gesetzt und daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn Monty an eine mögliche User Generated-Werbekampagne denkt, die zum Produktionsstart des Ford Fiestas starten könnte. Trotz der Euphorie für mehr Transparenz hat die Kampagne innerhalb des Unternehmens auch für spannungsreiche Bewegung gesorgt. So ist es wohl auch durchaus möglich, dass einige der Tester sich negativ über den Ford Fiesta äußern. Die Angst vor Kritik auf der eigenen Plattform macht sich breit, aber Monty sieht hier auch die Möglichkeit einer Chance mit Kritik umzugehen:

Ford has agreed on a hands off approach once the keys are handed over to the selected people. It will have no control of what is being put online. This could be dangerous for Ford should there be any negative opinions about the car but that appears to be a chance they are willing to take.

Ich finde das Ford Fiesta Movement tatsächlich eine Kampagne mit Weitblick, wenn nicht sogar eine Kampagne der Zukunft. Hier bekommt man wirklich das Gefühl, dass die Meinungen der Kunden gefragt sind. Besonders gut finde ich, dass die Profile der 100 Tester in den einzelnen Social Media Tools nicht gebrandet wurden. So muss also kein Blogger einen Ford Fiesta Hintergrundbild einblenden. Auch die Fanpage auf Facebook ist für mich schlüssig. Hier stellen die verschiedenen Fiesta-Tester ihre Bilder, Videos bzw. Blogposts vor. Der Content bietet meiner Meinung nach genug Potential für eine komplette User Generated Werbekampagne. Wieso also nicht konsequent den Weg weitergehen und die Fiesta-Fans für sich werben lassen?