Verdienen Europas Manager zu viel? Wird ständig nur auf Kosten “des kleinen Mannes” abkassiert? Dürfen sich nur erfolgreiche Chefs eine goldene Nase verdienen? …
Die Diskussion über die Spitzengehälter in der Industrie ist seit kurzem wieder voll entbrannt. Und sie ist ein heißes Eisen, bei dem man sich fragt: Ist das Thema “Managergehälter” in erster Linie eines der Unternehmen/Arbeitnehmervertreter selbst oder darf, ja: sollte hier jeder mitreden?
Schwer zu sagen, und eigentlich kann man sich, mit welcher Position auch immer, nur in die Nesseln setzen. Denn im Grunde geht es natürlich um unternehmensinterne Fragen, die aber sehr wohl gesellschaftliche Aspekte (wie z. B. den sozialen Frieden) tangieren. Ein eindeutiges “Richtig oder Falsch” gibt’s bei der Diskussion wohl nicht. Deshalb will ich sie an dieser Stelle auch gar nicht groß fortführen. Nichtsdestotrotz, und das sei noch gesagt, bleib ich immer an zwei Punkten hängen:
Ich find’s dann schon dreist, mit welcher Selbstverständlichkeit einige Politiker unternehmerische Entscheidungen, die sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegen, von außen diskreditieren. Zusammenhänge polemisieren, nur um sich damit bei der potenziellen Wählerschaft in Szene zu setzen. Waren es nicht häufig Fehlentscheidungen der Politik, die zu Massenarbeitslosigkeit und weit verbreiteter Armut führten – ohne dass sich Politiker dafür direkt verantworten bzw. ihren Wohlstand aufgeben mussten?!
Und dann frage ich mich noch, wenn über Sinn und Unsinn von Spitzengehältern debattiert wird:
Warum betrachtet man in diesem Zusammenhang nicht auch mal die Bestverdiener anderer Gebiete: z. B. aus Sport, Politik und den Medien? Da werden beispielweise Millionengehälter gezahlt, damit Menschen gegen einen Ball treten – und wenn der Ball nicht regelmäßig ins Tor geht, na dann werden die Spieler eben wieder mit Verlust verkauft. Die (finanziellen) Konsequenzen solcher Fehlentscheidungen tragen dann meistens aber nicht die Herren Manager und Stürmerstar, sondern dann schon eher die Arbeitnehmer der vom Merchandising lebenden Zulieferindustrie …
Bei dieser kontroversen Diskussion einen ruhigen Kopf zu bewahren bzw. Standpunkte zu relativieren, ist vielleicht ganz ratsam. Und das ist mit einem Blick auf die weltweite Gehaltsskala möglich.

Immer wieder ernüchternd und beschämend zugleich, finde ich: Antworten auf die Fragen “An welcher Stelle stehen wir eigentlich?”, “Wie viel Prozent der Weltbevölkerung träumt eigentlich von unserem Einkommen?” oder “Wie viele Menschen fragen sich eigentlich, warum sie nicht das gleiche Geld verdienen wie wir, wenn sie doch auch tagtäglich hart arbeiten?” …
Die Londoner Kreativschmiede Poke, die übrigens auch für die sensationelle Website “Orange Unlimited” verantwortlich zeichnet, fordert uns interaktiv heraus, dies (ansatzweise) zu erkunden, zumindest aber darüber nachzudenken: mit der Global Rich List.

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Das wir verglichen mit den Verlierern der Globalisierung noch richtig wohlhaband sind ist nicht neu. Dies nun aber als Argument zu nehmen, dass Manager Millionen an der Arbeit anderer verdienen sollen, da komme ich nicht mit. So sehr ich meinen Kopf zerbreche.
Hi, sum1.
Der Wohlstand der einen wird immer erkauft mit der Armut anderer – egal, ob scheinbar sozialverträglich oder nicht … moralisch noch vertretbar oder nicht … begründet oder nicht. – Dieser Zusammenhang ist Realität und findet jeden Tag seine Gewinner und erheblich mehr Verlierer.
Wir, auch wenn wir für unsere Verhältnisse keine Spitzengehälter verdienen, tun dies aber im Vergleich zum Großteil der Erdbevökerung mit einem “Spitzenverdienst” – wohl wissend, dass unser Wohlstand extreme Armut und sogar Leichenberge produziert.
Der Blick darauf soll keinesfalls die Unmoral einiger Unternehmen/Wirtschaftsbosse rechtfertigen (insbesondere wenn Gehaltserhöhungen auf der einen und Massenentlassungen auf der anderen Seite zusammenfallen), aber die Diskussion auf den, meiner Ansicht nach, wesentlichen Punkt bringen. Und die Frage implizieren: Ist es wirklich sinnvoll, über die Spitzengehälter ausgewählter Hassfiguren zu lamentieren, wenn wir den Tatbestand verändern wollen? – Das war der Gedanke.
Insofern halte ich die Diskussion um die Managergehälter für eine Scheindiskussion, die vorrangig dem Zweck dient, sich selbst (in dem Falle Protagonisten aus Politik und Medien) zu profilieren.
Außerdem finde ich es nicht fruchtbar, wenn plötzlich alle über die Gehälter aller diskutieren bzw. darüber, ob jemand nun 100 Tsd., eine Million oder 5 Millionen verdienen darf. Wonach bemisst sich der “richtige” Wert von Arbeit? Ab wann wird ein Verdienst unmoralisch, wie lange ist er noch legitim? Das ist eine müßige Diskussion, die glaube ich, am Ende nicht weiterführt – auch wenn wir uns den Kopf zerbrechen …