Kennen Sie Teildisziplinen des Guerilla Marketing? Wenn ja, welche sind dies?

Prinzipiell unterscheiden sich Online-und Offline Guerilla-Aktionen schon aufgrund der Medien und der Möglichkeiten sehr stark. Während im Offline-Bereich überwiegend plakative Aktionen mit dynamischen Charakter stattfinden („hit & run“: hier werden die Absender meistens genannt), bleibt der Initiator online häufig unbekannt bzw. wird erst relativ spät genannt – hier spielt Subversion, heimliches Agieren also eine noch größere Rolle. Außerdem verschwinden die Online-Akteure meistens nicht gleich wieder von der Bildflläche, sondern die Spuren bleiben ja quasi im Netz „archiviert“.

cyberprofit_cash-machine-guerilla-marketing
Guerilla-Klassiker der webguerillas aus der Offline-Abteilung: Cash-People stürmen unvorangekündigt Uni-Hörsäle, schmeißen mit Falschgeld um sich, werden vor den Augen der Studis/Professoren verhaftet (Promotoren in Uniform) und aus ist die Aktion. Auf den Geldscheinen wird das Geschäftsprinzip der Cash-Machine erklärt und auf die Ziel-URL verwiesen.

guerilla marketing sopranos
Huch, was ist das denn: Guerilla Aktion zur Bewerbung der Mafia-TV-Serie „The Sopranos“.

„Ambush Marketing“, bei dem die Werbe-Guerilleros das Umfeld – also die Aufmerksamkeit rund um das Ereignis sowie die Publikums- und Medienpräsenz – eines bestehenden Großevents nutzen, wird häufig als Teildisziplin des Guerilla Marketings genannt. Diese weitere Verschachtelung/Begriffsausdehnung ist aber, meines Erachtens, nicht hilfreich, weil sie nicht zu wesentlich neuen Sichtweisen/Perspektiven, sondern nur zu einer weiteren Atomisierung des Begriffes führt.

MINI-Hotel-International_Guerilla-Ambush-Marketing
Eine Aktion der webguerillas zur Fußball-WM 2006: das „MINI Hotel International“. Innen mit Doppelbetten ausgebaute MINIs boten weit gereisten Fans, die keine Bleibe mehr fanden, eine komfortable Notunterkunft. Ganz im Sinne von: „Zu Gast bei Freunden“.

Lycos Hundeskanzler
Nutzte das Medieninteresse rund um den Kanzlerwahlkampf Schröder-Stoiber: die Ambush-Aktion „Lycos Hundeskanzler“ der webguerillas. 2.500 Papphunde (Gesamtbudget: 16.200 Euro) schmückten kurzzeitig die Villen der damaligen Kanzlerkandidaten und waren am nächsten Tag in bedeutenden Tageszeitungen zu sehen.

Heinrich Blümchen Nike Ambush Marketing
Tolle Ambush-Idee von KesselsKramer für Nike: Beim traditionell von Adidas gesponsorten Berlin Marathon konzentrierten sie sich auf den ältesten Teilnehmer des Feldes, den damals 78-jährigen Heinrich Blümchen (allein der Name ist ein Gedicht, oder?!). Und bauten um den in Nike gebrandeten Senior eine schöne Story auf: mit Heinrich-Plakaten, einer Heinrich-Zeitung und mit Heinrich-Interviews während des Laufes. So kam Heinrich zwar nicht als Erster ins Ziel, hatte aber die Fans auf seiner Seite. Eben häufig das Hauptziel beim Ambush-Marketing: den eigentlichen Sponsor, in diesem Fall Adidas, durch eine clevere Aktion austricksen und die Aufmerksamkeit auf den Ambusher legen.

Eine Sonderstellung nimmt Guerilla PR ein (vgl. auch Blogeintrag vom 3. Juni 2006: „Fragen einer Diplomandin 7: Guerilla Marketing vs. Guerilla-PR“). Guerillla PR funktioniert nach dem Prinzip des Trojanischen Pferdes: Die Überraschung für Zielgruppe und (!) Medien erfolgt mit der Aufdeckung der Story. Heißt: Unter Vortäuschung einer spektakulären Story wird ein möglichst großer Medienhype erzeugt, bis sich raus stellt (manchmal aber auch nicht aufgelöst wird), dass es sich eigentlich um eine Fakestory handelt.

Blair Witch Project Filmausschnitt 3
Zwei Beispiele für exzellente Guerilla-PR: das „Blair Witch Project“ und „Mary Woodbridge“. Blair Witch Project ist die von zwei Filmemachern erfundene Geschichte eines vermeintlichen Hexenwaldes, in dem angeblich Studenten verschwinden. Bis heute wurde der Hoax von den Filmern nie aufgelöst.

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Bei „Mary Woodbridge“ verbreitet der Schweizer Outdoor-Ausrüster Mammut den Hoax einer 85jährigen, die mit ihrem Dackel Daisy den Mount Everest erklimmen will. Erst im Nachhinein – also nachdem die Medien darüber berichtet haben – löst Mammut auf, dass Mary eine erfundene Figur ist.

Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.