Guerilla Marketing vs. Guerilla-PR in der Kommunikationspolitik.
Sind das deiner Meinung nach Synonyme oder sich ergänzende, zeitgleich eigenständige Begrifflichkeiten? Zum Thema Guerilla-PR existiert so gut wie keine Literatur. Wie definierst Guerilla-PR? Was wäre Guerilla Marketing ohne PR und ist Guerilla Marketing mehr als nur „laute“ Publicity?

Natürlich ist Guerilla Marketing weit mehr als nur laute Publicity. Guerilla Marketing ist zu allererst ein Werbeprinzip, das der Zielgruppe ein hochemotionales Erlebnis liefert. Und deshalb nicht, wie 99% aller Werbung, in Vergessenheit gerät. Daran anknüpfend lassen sich natürlich medienrelevante Kampagne „stricken“, mit Hilfe derer die Aktion eine breiten Öffentlichkeit präsentiert wird. Also zum Verständnis: erst die Aktion, dann die PR-Begleitung.

Bei Guerilla PR liegen die Schwerpunkte anders. Guerilla PR funktioniert nach dem Prinzip des Trojanischen Pferdes: Die Überraschung für Zielgruppe und (!) Medien erfolgt mit der Aufdeckung der Story. Heißt: Unter Vortäuschung einer spektakulären Story wird ein möglichst großer Medienhype erzeugt, bis sich raus stellt (manchmal aber auch nicht aufgelöst wird), dass es sich eigentlich um eine Fakestory handelt. Ein Beispiel hierfür ist das „Blair Witch Project“, bei dem angeblich Studenten in einem Hexenwald verschwunden sind. Der ganze Zauber, dem relativ schnell einige amerikanische TV-Sender und dann die Öffentlichkeit erlagen, diente aber nur dazu, das Low-Budget-Filmprojekt bekannt zu machen (Nebenbei: Als die Story erstmalig in einem kleinen Regionalsender publiziert wurde, gab es noch nicht mal eine Sekunde Filmmaterial!!!). Bis heute haben die beiden Produzenten nicht eindeutig klargestellt, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt. Deshalb lebt die Legende weiter …

Blair Witch Project Filmausschnitt 1Blair Witch Project Filmausschnitt 2Blair Witch Project Filmausschnitt 3Filmausschnitte. Blair Witch Project ist im Stil der heutigen Dogma-Filme gemacht: wacklige, häufig unscharfe Bilder … keine aufwendige Beleuchtung … und teils schwer verständliche Tonaufnahmen. Mit solchen Stilmitteln wird ganz gezielt der Eindruck von Authentizität erzeugt.

Blair Witch Project Time
Das „Blair Witch Project“ hat es sogar bis auf den Titel des Time Magazines geschafft. Respekt!

Ein anderes, aktuelles Beispiel ist das von „Mary Woodbridge“: Der Schweizer Outdoor-Ausrüsters Mammut erzählt die Geschichte einer 85jährigen, die mit ihrem Dackel Daisy den Mount Everest erklimmen will. Erst im Nachhinein – also nachdem die Medien darüber berichtet haben – löst Mammut auf, dass Mary eine erfundene Figur ist. Was den zahlreichen Fans der alten Dame egal ist, einen Großteil der Medien jedoch erzürnt. Denn Letztere sehen sich durch die Vortäuschung falscher Tatsachen missbraucht. Kann man nachvollziehen, hätte man aber auch verhindern können: Ein nachfassender Anruf hätte gereicht. Ein Versuch, mit Nachbarn zu sprechen. Ein Besuch vor Ort. Ein kritischer Blick auf die Website (Welche 85jährige hat schon eine so professionell gestaltete Website?) …

Mary_woodbridge_Website
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Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.