Eine Frage der Philosophie?!
Immer mehr Großkonzerne investieren größere Budgets in Guerilla Marketing, wenn sie von dessen Wirksamkeit überzeugt sind. Was denkt Du als Experte: Ist die Devise „Geiz ist geil“ im Guerilla Marketing oberste Maxime oder darf Aufmerksamkeit auch etwas kosten? Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, entspricht das noch den Grundzügen des ursprünglichen Guerilla-Gedanken? Greift die Bezeichnung „Guerilla Marketing“ dann noch oder gibt es deiner Meinung nach dafür eine alternative treffendere Bezeichnung?

„Geiz ist geil“ heißt in unserer Sprache „Ideen sind sexy“! Nein, Spaß bei Seite: Um Guerilla Aktion professionell und wirkungsvoll umzusetzen, bedarf es immer eines gewissen Investments: und sei es in essentielle, aktionsbegleitende Maßnahmen wie PR. Dennoch weiß ich, aufgrund unserer Studie zu alternativen Werbeformen, dass viele Unternehmen solche Investments scheuen bzw. glauben, nur mit ihrer (vermeintlich) guten Idee, Berge versetzen zu können. Unsere Erfahrung zeigt, dass dies nicht funktioniert. Jede Guerilla Aktion benötigt nicht nur ein Mindestmaß an Lautstärke bzw. Virulenz, sondern auch eine bestimmte Größe und verlangt professionelles Handling.

guerilla-marketing-pumaDas wünscht sich jeder Auftraggeber: mit ein paar Pappschildern für Furore sorgen. Beim Länderspiel Deutschland – Italien funktionierte es prächtig: über 10,5 Millionen Zuschauer am Bildschirm wurden erreicht, und Puma war lange Zeit das Gesprächsthema … nicht nur bei den Fans (eine Aktion der webguerillas).

Auch mal 50 oder 100 Tausend Euro für eine nationale Guerilla Aktion in die Hand zu nehmen widerspricht, meines Erachtens, auch nicht dem ursprünglichen Guerilla-Gedanken „möglichst geringer Mitteleinsatz, möglichst große Wirkung“. Denn im Vergleich mit herkömmlichen Werbemethoden sind Guerilla Aktionen allemal effizienter. Man muss sich ja nur ansehen, was reichweitenstarke Printwerbung oder ein 30 Sek. Spot in der Prime Time heute kosten. Da ist man schnell in der gleichen Größenordnung, ohne jedoch wirklich etwas zu bewegen. Mit der Summe aber würde jeder clevere Werbeguerillero die ganze Republik auf den Kopf stellen …

Lycos Hundeskanzler
Witzige Story, mediengerechte Bilder, geringes Budget und trotzdem großer Erfolg: dafür steht die Aktion „Lycos Hundeskanzler“ der webguerillas. Nicht zuletzt wegen der hervorragenden Pressearbeit. 2.500 Papphunde (Gesamtbudget: 16.200 Euro) schmückten kurzzeitig die Villen der damaligen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (Abbildung) und Gerhard Schröder. Und waren am nächsten Tag in bedeutenden Tageszeitungen zu sehen. Einige übrig gebliebene Hunde wurden am Ende noch auf ebay versteigert, was fast zu einer vollkommenen Refinanzierung der Aktion geführt hat.

Lycos Hundeskanzler Presse

Mehr Infos und Fallbeispiele zum Thema „Guerilla Marketing“ hier und hier.