Ende 2006 will ein neuer Online-Service starten, der legal Audio- und Video-Dateien zum kostenlosen Download anbieten wird. Er heißt Spiralfrog, sitzt in New York und finanziert sich dadurch, dass User vor dem Download kontextsensitive Werbung angeschauen müssen.
spiralfrog

Und noch ein paar Haken hat die Sache: Soweit bekannt ist, bekommt man keine MP3s, sondern WMA-/also Windows-kompatible Dateien … nicht iPod-geeignet. Außerdem muss man sich einmal pro Monat bei Spiralfrog einloggen, damit man seine Downloads weiter anhören kann. Spätestens nach 6 Monaten dann ist alles vorbei, dann deaktivieren sich die Songs. Last but not least ist die Software so programmiert, dass gleichzeitig nur immer ein Titel auf den Desktop geholt werden kann und ein Kopieren auf CD unmöglich ist.

Vor diesem Hintergrund haben sich u. a. zwei namhafte Partner bereit erklärt, ihren gesamten Katalog zur Verfügung stellen: nämlich Universal Music und EMI.

Neben den bekannten Systemen (Napster mit Gratis-Songs sowie iTunes/Musicload etc. mit kostenpflichtigen Angeboten) setzt Spiralfrog auf ein neues Prinzip: den werbefinanzierten Download.

Andererseits: Ist das Prinzip wirklich neu? Oder nur neu verpackt? Erleben wir nicht gerade in anderen Bereichen, wie Werbung mit der Brechstange so richtig floppt?

Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass dieses Pawlowsche Prinzip „Erst Werbung glotzen, dann kriegste die Belohnung“ aufgeht. Zumindest nicht für die Werbekunden! Dass es sich hierbei um kontextsensitive Werbung handelt, macht die Sache für den User zwar angenehmer. Nichtsdestotrotz: Am Ende nervt diese Art der Werbung doch genauso, wie die permanenten Breaks während des Spielfilms. Genauso wie ein Pop-up, das mich daran hindert, das anzusehen, wofür ich mich eigentlich interessiere. Genauso wie jede Art von Werbung, die mich zum Angucken zwingt.

„Werbung mit der Brechstange“ ist nicht nett zu mir. Und deshalb mag ich sie nicht – selbst, wenn sie angeblich auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist. Sie gibt mir wenig. Und raubt mir viel: nämlich Zeit, Nerven, Privatsphäre – und vor allem: die Entscheidungsfreiheit, die Mündigkeit! Und deshalb kann ich auf sie verzichten. Bei Spiralfrog, bei Youtube, bei MyVideo und bei allen anderen, die (vielleicht) gerade mit den Gedanken spielen, mich mit solchen Konzepten zu ködern.

Online-Werbeumsätze in Mio. EUR (Deutschland): dynamische Entwicklung bei „Targeted Advertising“. Quellen: OVK; Werte für 2006/Dr. Castulus Kolo.

Targeted Advertising