Danke Herr Bäck! Endlich mal jemand, der mir aus der Seele schreibt. Es geht um die Onlinereputationsfetischisten, die uns in den letzten Monaten immer häufiger mit unzähligen „How to use“-Tipps und Do’s bzw. Dont’s-Listen in die Schranken weisen. So habe ich mich kürzlich erst gefragt. Wie passen starre Regeln und Social Media eigentlich zusammen? Die Onlinereputationsfetischisten sind sich bei der Erklärung einig.

Weil wir durch die Einhaltung dieser Regeln eine digitale Reputation erschaffen, die wiederum zu einem erfolgreichen Offline-Leben führt.
Im Kern heißt das: Alles was Du heute im Zeitalter des Social Webs im Netz von Dir gibst, sollte wohl überlegt sein. Sonst kommt der böse digitale Bumerang im realen Leben zurückgeflogen. Du könntest Dir also wegen einem politisch unkorrekten Kommentar oder einem ungünstigen Partybild die Chance für Deinen ultimativen Traumjob verbauen. Dabei frage ich mich selbst immer wieder, um was geht es bei Social Media eigentlich? Um die eigene Persönlichkeit!

Gerald Bäck hat meiner Meinung daher absolut Recht, wenn er schreibt:

Gerade das Web2.0 lebt von der Kontroverse. Und eine gute Kontroverse verlangt eine die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung und wenn wir uns selbst dieser Möglichkeit entledigen, gibt es am Ende nur noch den Einheitsbrei. […] Letztlich basiert aber das ganze Trara rund um die Ego-Marke auf einem Irrtum. Nämlich dem, dass man mit einer möglichst gemainstreamten Persönlichkeit seine Ziele leichter erreich kann. Das Ende jeder Differenzierung soll also der Anfang einer Karriere sein? Zur Rettung der Onlinereputationsfetischisten muss man aber festhalten, dass sie diesen Trend nicht erfunden haben, er spiegelt eher eine sehr zeitgeistige Denkrichtung wider. Seit gefühlten Jahrzehnten quälen uns Spindoktoren mit möglichst farblosen Politikern, die möglichst nirgends anecken und nur keine noch so kleine Wählergruppe beleidigen wollen. Alle Ratschläge beherzigt endet das in Beliebigkeit und Austauschbarkeit, beides nicht unbedingt die besten Ausgangspunkte für erfolgreiches Ego-Marketing.

Ego-Marketing nach den Regeln von anderen (oder sollte man forscherweise Egos schreiben?) auszuführen, schreit in sich schon nach einem schlechten Scherz. Natürlich will ich auch erfolgreich sein, aber wenn mir danach ist, dann möchte ich auch durchaus mal meine aktuellste Trackinglist per Twitter verbreiten ohne das Gefühl zu haben einen Twitterfehler begangen zu haben. Wer sagt eigentlich, dass mein Musikgeschmack für meine Follower nicht wertvoll ist? Immerhin hat mein Musiktipp über die Facebook-Statusmeldung zu einem weiteren Fan von Kristofer Aström geführt. Das ist mal Social Marketing ohne Plan.