Wer Aktionär ist, hat es in diesen Tagen nicht leicht. Und wer keiner ist, hat es auch schon mitgekriegt, weil alle Medien darüber berichteten. Die US-Immobilienblase ist geplatzt (mal sehen, wann die Kreditkarten an der Reihe sind), Meldungen über Ramschhypotheken, Milliarden-Abschreibungen und Handelsverlust gehören zur Tagesordnung.

Die Banken haben Unsummen versenkt und so das Vertrauen vieler Anleger und Kunden verspielt. Apropos: welches Vertrauen? Hatte man als Bankkunde nicht schon vor diesen ganzen Skandalen das Gefühl, dass man von Anlageberatern und Versicherungsvertreterrn sowieso nur über den Tisch gezogen wird? Dass sich die Rekordgewinne, die fast alle Marktteilnehmer jedes Jahr wieder neu vermeldeten, in hohem Maße darauf begündeten, dass unsereins bei jeder Gelegenheit das Geld aus der Tasche gezogen wird?

Ich glaube, dieses ungute Gefühl war und ist nicht nur bei einigen wenigen latent vorhanden. Viele Menschen hegen insgeheim den Wunsch, auf unkompliziertem Wege Geld- und Kreditgeschäfte abwickeln zu können, ohne dabei die Banken mit Gebühren und Zinszahlungen noch reicher zu machen, als sie es sowieso schon sind.

Erinnern wie uns doch mal kurz an das letzte Jahr:

Der letztjährige Friedensnobelpreis ging an Mohammed Junus. Sein Name wird nicht jedem geläufig sein, doch von seinem Beitrag zum wirtschaftlichen Fortschritt in den Schwellenländern haben wohl die meisten schon gehört. In den 70er Jahren hat Junus in Bangladesch die Grameen-Bank gegründet, die Mikrokredite an Händler und Handwerker vergibt, so dass sich diese selbstständig machen können.

Inzwischen wird dieses Konzept von Großbanken wie Citibank und ABN Amro imitiert. Bei diesen steht allerdings nicht die Nächstenhilfe sondern das Geschäftsinteresse im Vordergrund. Allerdings haben inzwischen nicht nur Banken, sondern auch findige Privatleute „das Junus-Prinzip“ für sich entdeckt und lösen mit innovativen Finance-Plattform soeben eine Revolution im Banken- und Kreditwesen aus:

Eine Möglichkeit, mit Mikrokrediten nicht den Profit der Banken zu steigern, sondern gezielt Menschen zu helfen, bieten sog. „Peer to Peer-Kreditmodelle“. Der Vorteil dabei ist, dass die Banken umgangen werden und so günstigere Zinssätze für die Kreditnehmer und gute Renditeraten für die Kreditgeber möglich werden. Das Risiko für die Kreditgeber minimiert sich, da ihr Geld auf mehrere Kreditnehmer aufgeteilt wird und jeder Kreditnehmer Geld von vielen verschiedenen Kreditgebern erhält. Im Internet gibt es inzwischen einige Social Finance-Unternehmen, deren User sich gegenseitig Kredite geben können.

zopa

Der weltweit erste Kredit-Marktplatz war Zopa. Das Start-up ist 2005 gestartet und war der Vorreiter für weitere Unternehmen wie Prosper, Lending Club oder das Geldleihnetzwerk duck9, das sich auf Kredite von Studenten für Studenten spezialisiert hat.

Prosperlending-clubduck9

In Deutschland bringt u. a. Smava den privaten Geldverleih ins Internet und führt Anleger und Kreditnehmer zusammen. kiva geht noch einen Schritt weiter und verzichtet auf die Rendite für die Anleger. Die Geldgeber sponsern Geschäftstreibende in den Entwicklungsländern und erhalten ihren Einsatz nach Abschluss einer bestimmten Laufzeit wieder zurück.

Kiva

Smava

Die Süddeutsche Zeitung berichtete in einem interessanten Artikel am 30.01.: Allein „eLolly (300.000 Mitglieder) vermittelte nach eigenen Angaben im ersten Jahr in Deutschland eine Kreditsumme von 4,5 Millionen Euro. Bei Smava (25.000 Mitglieder) waren es im ersten halben Jahr eine Million Euro. Und die Zahl der Nutzer wächst.“
eLolly

Entscheidend für den Erfolg der neuen Finance-Player, so die SZ: „Smava, Elolly und Co. haben, was vielen Banken fehlt: die menschliche Komponente.“

Ob das allein ausreicht? Ob sich letztendlich also doch das tausende Jahre alte System des Geldverleihens von Mensch zu Mensch durchsetzt? Bedeuten diese Kredit-Marktplätze den Startschuss für das Ende der Banken? Könnten auch Versicherungen und Immobilienmakler als Marktteilnehmer in Zukunft von vernetzten Individuen ersetzt werden?

Fest steht, dass Menschen nicht nur ihre Kredite übers Internet abwickeln, sondern dass sie sich auch zunehmend zum Thema „Aktien“ und anderen Investitionsmöglichkeiten in Online-Communities informieren.

bullpoo
FeelingBullish
zecco

Eine dieser Plattformen zum Thema Aktienanlagen ist BullPoo. Die Nutzer können dort Investment-Blogs lesen und schreiben, Ideen austauschen, Diskussionen führen, eigene Portfolios einstellen und Prognosen abgeben. Mit virtuellen Portfolios können Prognosen und Theorien zum Aktienverlauf und riskante Wertpapieranlagen getestet werden. Auch FeelingBullish, Zecco, Stockpickr und Cake Financial bieten vergleichbare Services.

stockpickrcake-financial

Bei Wikinvest erstellen und verändern User (auch ohne Registrierung) Wikis zum Aktienmarkt. Es gibt zwar kein Buddy-System, aber User können gebookmarkt werden, um deren Aktivitäten zu verfolgen. Eine Besonderheit der Community Covestor ist, dass Experten sich für ihre Informationen bezahlen lassen können. Wer sich auskennt, kann seine Aktiengeschäfte von anderen einsehen lassen und damit Geld verdienen.

Social Lending ist ein superspanndes Thema, das uns in Zukunft garantiert noch intensiver beschäftigen wird. Wer sich jetzt schon mal etwas durchklicken will, für den hier noch mal eine kleine Linkliste: