Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass immer mehr Unternehmen ihre Produkte in Fernost und Südamerika produzieren: riesige Stückzahlen, von denen niemand weiß, ob sie jemals abgesetzt werden können; die aber ermöglichen, dass der Artikel, zu einem unschlagbaren Preis auf dem Weltmarkt angeboten werden kann.

In der Textil- und Konsumgüterbranche ist diese Herstellkosten-gesteuerte Massenproduktion Gang und Gäbe und führt regelmäßig dazu, dass von vielen Markenartikeln Überkapazitäten in einer Größenordnung von 50 bis 70 Prozent aufgebaut werden. Doch was passiert mit diesen so genannten Overstocks?

Die Markenartikler suchen neue Absatzkanäle, setzen ihre Überkapazitäten nicht nur über klassische, sondern zunehmend auch über alternative Kanäle ab. Ein völlig neuer Marktplatz-Typus hat sich auf diese Weise entwickelt: So genannte Shopping-Clubs bieten die exklusiven Restposten in regelmäßigen Auktionen ihren registrierten Mitgliedern an. Über E-Mail erhalten diese Informationen über aktuelle Angebote, meist mit aufwändigen Flash-Filmchen ansprechend präsentiert. Die Kurzfristaktionen laufen nach dem Woot!-Prinzip nur einige Tage lang (Anm.: Woot! ist ein Internet-Retailer, der ein bestimmtes Discount-Angebot jeweils nur einen Tag anbietet).

Mitglied kann nur werden, der über einen werbenden „Paten“ eingeladen wird. Dieses Club-Verhältnis („nur für Mitglieder“), welches auf persönlicher Empfehlung basiert, soll nach außen suggerieren, dass das Angebot nicht für Jedermann zugänglich ist. Und es ist Grundvoraussetzung dafür, dass der Konflikt mit den klassischen Absatzkanälen nicht eskaliert. Denn die haben natürlich kein Interesse daran, dass es 1. noch mehr Konkurrenz im Markt gibt und 2., dass die Hersteller den direkten Kontakt zum Endverbraucher suchen.

  • Mit dem privaten Einladen wird ebenso verhindert, dass sich professionelle Zwischenhändler einmogeln, die Massenverkäufe am Handel vorbei organisieren. Auch deshalb sind Käufe nur in kleinen Stückzahlen möglich.

  • Das Verkaufsprinzip des Shopping-Clubs unterscheidet sich von anderen Ansätzen auch dadurch, dass erst Bestellungen generiert werden, bevor die Ware dann beim Hersteller geordert wird.

In Frankreich sind die so genannten „Ventes Privées“ (Shopping Clubs) seit einiger Zeit etabliert; Millionen von Online-Shoppern kaufen bei den mittlerweile 40 bis 50 VIP-Auktionshäusern, die Dienste für die unterschiedlichsten Produktgruppen anbieten. Angesichts der Summen von Investorengeldern, die in Frankreich und neuerdings auch in den USA in diesen neuen E-Commerce-Zweig fließen, dürfte es nicht lange dauern, bis auch in Deutschland Gründer und Investoren den Makrotrend Ventes Privées für sich entdecken.

Einige Anbieter, die jetzt schon in Deutschland aktiv sind, sind im Folgenden etwas genauer beschrieben:

Beispiel 1: Vente-Privée

Der im Jahr 2003 gestartete französische Marktführer hat in Frankreich 2006 geschätzte 200 Mio. Euro umgesetzt. Im September letzten Jahres ist Vente Privée auch in Deutschland gestartet. Die Angebote reichen von Mode über Schmuck bis zu Spielzeug und HighTech; laut Unternehmen alles zu Preisnachlässen zwischen 40 und 70 Euro. Für jede Marke werden zwei- bis dreitätige Online-Shopping-Events organisiert, zu denen die Mitglieder mit einer Produktvorschau via E-Mail eingeladen werden. Neue Mitglieder können nur von anderen Mitgliedern geworben werden.

vente-privee

Beispiel 2: BuyV!P

Auch BuyVIP ist eine geschlossene Gemeinschaft, in die man nur durch eine persönliche Patenschaft Zutritt bekommt. Die registrierten Mitglieder erhalten regelmäßige E-Mails zu den aktuellen Verkaufsaktionen. Um die Produkte zu 30 bis 70 Prozent unter dem Ladenpreis zu erwerben, müssen sie sich für die Aktion anmelden. Die Produkte sind limitiert und stammen vor allem aus dem Bereich Mode, Accessoires, Elektronik und Sport. BuyVIP dient außerdem als Plattform zur Einführung neuer Marken und Produkte.

Buy-V!p

Beispiel 3: Private Outlet

Private Outlet hat seinen Sitz in Paris, ist aber seit Dezember 2006 auch in Deutschland als privater Shopping-Club aktiv. Das Warenspektrum ist ähnlich wie bei den beiden erstgenannten: Mode, Sport, Deko, Schmuck, Elektrogeräte etc. Registrierte Mitglieder erhalten E-Mail-Einladungen zu den Online-Markenverkäufen, bei denen die Preise um bis zu 70 Prozent unter den Ladenpreisen liegen. Mitgliedschaft ist ebenfalls nur durch Empfehlung möglich.

Private Outlet

Weitere Beispiele aus Frankreich:

Neben diesen drei Beispielen deutscher Versionen französischer Shopping-Clubs, gibt es etliche weitere Anbieter, die allerdings bislang nur in Frankreich operieren. Manche haben sich dabei auf ein bestimmtes Warenfeld spezialisiert (Wein, Baby-Ausstattung, Sport, CDs, Mode, Reisen etc.), andere bieten eine breite Auswahl. Wann die ersten Start-ups in Deutschland gegründet werden? Nur eine Frage der Zeit!