Bis 2025 werden 80 bis 100 (also voraussichtlich rund ein Viertel) der heute in Deutschland agierenden 377 Zeitungsverlage „aus dem Markt gedrängt werden“. Diese Vorhersage machte der stellvertretende Geschäftsführer von 3i Deutschland, Andreas Kochhäuser, am 19. Oktober auf den Medientagen München in einer Diskussionsrunde.

Wenn er da mal nicht zu tief gestapelt hat. Ich glaube sogar, dass selbst einige bekannte Namen der deutschen Verlagsszene nur mittelmäßig auf die relevanten Veränderungen vorbereitet sind – als da wären:

  1. neue technische Rahmenbedingungen (Breitband, Anwendungsfreundlichkeit, Empfangsoptionen, neue technologische Optionen fürs Informations- und Wissensmanagement …),
  2. neue Applikationen (Blogs, Wikis, Social Bookmarking, Streaming-Angebote, Sharing-Plattformen, Geodaten-Verknüpfungen …) und
  3. ein sich in den letzten Jahren stark verändertes Verhalten der Webuser (Akzeptanz/Bedeutungswandel zu Gunsten des Internets, Intensität der Rezeption) und (last but not least)
  4. neue Rahmenbedingungen im Web (Stichwort: Grassroot-Bewegung im Cyberspace, Emanzipation der User/Demokratisierung des Webs …).

Obgleich die einzelnen Aspekte natürlich alle wahrgenommen werden (sollte man zumindest annehmen), fehlt die übergreifende und zumindest mittelfristig ausgerichtete Web-Strategie vieler Verlage. Das führt einerseits dazu, dass junge Leser nach wie vor nicht erreicht werden (vgl. auch Blogeintrag vom 01.03.2006: „Jugendliche sagen: Adieu TV, servus Internet!”) – sprich: der Nachwuchs fehlt! Andererseits geht wertvolle Zeit verloren, um sich im Wettbewerb mit branchenfremden Marken (wie z. B. Google oder Yahoo!). Und die geben weiterhin Vollgas, um die wachsende Internetgemeinde abzuholen und zu binden – man betrachte nur Google News, msn Meist gelesen oder Yahoo! Clever.

Viel Zeit bleibt den Verlagen nicht: Denn bekanntlich dauert ein Internetjahr ja nur vier Monate.