Offiziell schlägt die Geburtsstunde des Apothekerberufs, wie wir wissen, im Jahre 1241. In diesem Jahr erlässt der Stauferkaiser Friedrich II. (1194-1250) eine Medizinalordnung, die erstmals eine Trennung der Berufe von Arzt und Apotheker gesetzlich vorschreibt. Seitdem hat sich gerade in den letzten Jahren viel verändert: Der Arzneimittelversand wurde freigegeben, Doc Morris kam und die Preise für frei verkäufliche Medikamente fielen teilweise in den Keller. Was dazu geführt hat, dass angeblich schon jeder dritte Internetnutzer online bestellt. (Hintergrundinfos s. hier)

Aber ist das Internet nicht nur ein günstiger Vertriebsweg, ist es für Apotheken auch ein möglicher Beratungskanal? Oder sollte man lieber auf dem Standpunkt stehen: Lieber einmal mehr zum Arzt, als einmal zu wenig?

In welche Richtung es gehen könnte, zeigt dieses Beispiel:

apoteket

Stellt Euch vor, Ihr habt ein krankes Kind zu Hause und Ihr seid Euch nicht sicher, ob es eine gewöhnliche Erkältung ist oder ob Ihr den Arzt konsultieren sollt. Für solche Fälle hat die staatliche Schwedische Apothekervereinigung „Apoteket“ in Kooperation mit Ärzten eine interaktive Website entwickeln lassen (Agentur: Forsman & Bodenfors, Göteborg), die durch gezielte Fragen zu einer persönlichen Empfehlung führt – und am Ende sogar eine Liste mit frei verkäuflichen Produkten offeriert.

Okay, aufgrund diverser Arzneimittel(beratungs)gesetze, der Apothekenbetriebsordnung und, und, und ist das noch Zukunftsmusik in Deutschland oder zumindest auf wenige Indikationen beschränkt. Zu Recht, wie ich finde! Denn obgleich die Seite natürlich unter Designgesichtspunkten super!!! gemacht ist, hilft sie wirklich weiter? Kann sie einen Arztbesuch ersetzen? Oder birgt sie sogar die Gefahr, dass (verunsicherte) Eltern, bloß weil sie denken, antworten zu müssen, hier und da aus Unsicherheit die falsche Antwort geben? Unter Umständen vielleicht bloß, weil sie nicht genau beurteilen können, ob der Husten ihres Kindes nun ein „bellender Husten“ ist oder nicht …

Nichtsdestotrotz: In Zeiten explodierender Gesundheitskosten ist es andererseits auch ein interessanter Weg. Zumindest, wenn es um eine Erstinfomation bei nicht-akuten Problemen geht. Aber genau hier tun sich jedoch die Grenzfälle auf: Was ist nicht-akut und über welche Multiple-Choice-Fragen stellt man dies fest?

Ich bin mir nicht sicher: Was meint Ihr?