In den USA tobt gerade der Bär: vor allem in punkto Online Social Networks (OSNs) für spezielle Themen/Nutzergruppen. Um Euch mal ein Gefühl für die Schlagzahl zu geben, mit der in Amerika derzeit neue Online Communities antstehen, habe ich u. a. den Bereich “Gay and Lesbian People” unter die Lupe genommen. Weil schwule und lesbische Menschen erfahrungsgemäß “Heavy User” von Online Social Networks sind. Und siehe da: Alleine in den kommenden Wochen stehen fünf (!!!) OSN-Launches vor der Tür, die sich alle an Schwule/Lesben/Bisexuelle richten.
Man muss sich das mal klarmachen: Es ist ja nicht so, dass es in den USA noch keine entsprechenden Internet-Angebote gäbe. Da erfreuen sich beispielsweise Networks wie Lovetastic, Gayster, Connexion, D-List, Manjam oder Downe-Link größter Beliebtheit. Also sechs bestehende Online Social Networks für ein Klientel, die es bereits gibt! Von den angestammten, klassischen Online-Communities und Foren im alten Stile, die darüber hinaus existieren, ganz zu schweigen.






Doch noch für Januar, spätestens aber für Anfang Februar haben ihren Launch angekündigt: Glee, Our Chart, Social Butter, Queensspeech und Olivia.





Nun könnte man denken, die Vielfalt an Online Social Networks für Schwule/Lesben/ Bisexuelle sei eine Ausnahme. Denkste: Beinahe für jede Nutzergruppe, die spezielle Interessen hat bzw. vermeintlich “unter sich sein will”, spielt sich gerade Ähnliches ab. Da gibt es für farbige Bürger Black Planet & Co. Die Latinos haben ihr Migente und andere OSNs. Und Amerikaner asiatischer Herkunft vernetzen sich über Networks à la Asian Avenue.



Bei dieser Gelegenheit fällt mir eine Geschichte aus meinem Agenturalltag ein. Vor etwa 16 Monaten hatte ich die Chance, im Rahmen eines Akquisegespräches bei einem weltbekannten Herstelller für Babynahrung unsere Dienste vorzustellen. Als zweifacher Vater (und somit Experte) schlug ich damals unter anderem vor: “Man müsste eigentlich so was machen wie OpenBC, aber eben nur für (werdende) Mütter. Die haben doch ein starkes Bedürfnis, sich mit anderen Müttern auszutauschen, Rat einzuholen und vielleicht sogar sich zu treffen.” Und weiter: “Lassen Sie uns doch ein Social Network aufsetzen, dass Ihre Zielgruppe fokussiert. Das kostet Sie einen Bruchteil der TV-Spots, die sie derzeit schalten, sie treffen ihre Käuferschaft punktgenau (was man über die Spots nicht gerade sagen kann) und sie haben die Chance, über dieses Social Network einen qualitativ hochwertigen Dialog aufzubauen.” … Bis heute wurde diese Idee, obgleich ich sie bei anderer Gelegenheit noch einmal angebracht habe, nicht weiterverfolgt (Schmoll!).
Nun, die Amis sind da einfach schneller. Schneller im Kopf, schneller bei der Entscheidung und – leider auch – schneller dabei, den Bogen zu überziehen. Denn so sehr mir die Idee eines OSNs für (werdende) Mütter nach wie vor gefällt … und ich es jammerschade finde, dass es in Deutschland so wenige Entscheider in den obersten Unternehmensetagen gibt, die verstehen, welche Chancen sie durch Unterlassung gerade verspielen … so sehr beängstigt mich andererseits der blinde Aktionismus, den ich in den USA diesbezüglich wahrnehme. Puuuh, elf Social Communities für Schwule/Lesben/Bisexuelle … Das kann nicht gut gehen! Diese Unternehmen können nicht alle profitabel geführt werden und dementsprechend läuft ein Großteil dieser absehbar in den Ruin.
In den USA bläht sich also gerade was auf, was garantiert wieder platzen wird. So lange dafür keine Millionen/Milliarden an Venture Capital investiert wurden, nicht so schlimm … Aber das Geld sitzt wieder locker. Denn wenn man sich überlegt, dass für ein Online Social Network wie StudiVZ angeblich 85 Millionen Euro gezahlt wurden … für eine Community also, die keinen Umsatz macht und (etwas übertrieben gesagt) eigentlich nur zum Flirten da ist … für ein Label, das durch verschiedene Aktionen doch arg imagegeschädigt ist … dann stelle ich mir natürlich die Frage: Wo sieht Holtzbrinck das Folgegeschäft, das dieses Investment rechtfertigt? Die businessorientierten Studis (also künftige Abonnenten von Handelsblatt, Wirtschaftswoche & Co.) findet man doch viel besser woanders …
Bzw. anders ausgedrückt: Der Wahnsinn ist nicht nur in den USA zu Hause, sondern scheint mir auch bei uns wieder eine neue Heimat gefunden zu haben. Und wenn er erst viral verbreitet wird, dann “Gute Nacht!”.
Aber ich will nicht länger unken. Ich bin ja froh, dass meine Idee realisiert wurde. Wenn auch nur in den USA, dafür gleich mehrmals.











das thema mit dem “openBC” (openBabyClub) hatten wir auch schon … denke ebenfalls, dass da auch in deutschland ein markt besteht, allerdings dachte ich eher an ein “elternwiki” (und hab endlich auch mal die domain geordert
) .. allein das beantragen von erziehungs äh elterngeld ist eine institution für sich. und OSN mäßig sind wir dann aber auf autos (www.autoVC.com) gekommen, weil es das so noch nicht gibt.
heutzutage heißt es ja immer “make or buy” wie man an den Aquisitionen des Holzbrinkverlages sehen kann (z.B StudiVZ.). Für einen Hersteller von Babynahrung – oder auch andere Markenartikler – stellt sich die Frage aus meiner Sicht eher als “make or join”. Vielleicht ist es eben für jenen Hersteller effizienter, wenn er sich an einer bestehenden Community beteiligt und versucht eine Mini-Community von Vätern, Müttern (werdenen und seienden) zu gründen, die die Produkte diskutieren und eventuell auch empfehlen. Ein Land wie Amerika mit annähernd 300 Mio Einwohnern kann vielleicht 6 Communities zum Thema Homosexualität oder Eltern verkraften. Aber wieviele Communities gleichen Themas verkraften 80 Mio Deutsche? Wo liegt die kritische Masse an Mitgliedern, damit eine Community aktiv ist. Ein Beispiel sei der heutigen Fachpresse entnommen. W&V Online meldet, das die CMA eine eigene Community aufbauen möchte. Wird sich das lohnen? Oder lieber ziegruppenaffinen Communities beitreten. Das kann unter Umständen mit weniger Budget zu besseren Ergebnissen führen. Über einen Punkt müßten sich die Markenartikler dann aber bewusst sein. Die anonyme Beteiligung in einer Community ist kontraproduktiv. Bei Entdeckung droht Image-Schaden (siehe Play Station). Sowohl Mitglieder wie auch “Werbetreibender” sollten mit offenen Karten spielen.
Praxischeck für Marketeasing-Mantra No 4: Schaffe Gemeinschaft…
Ist ja immer mal gut zu sehen was aus so manchen der eigenen Tipps wird. So liest sich das in Marketeasing: Mantra 4: Schaffe Gemeinschaft.In Zukunft werden Sie ohne eine starke Gemeinschaft, ein Netzwerk aus Geschäftspartnern, Freunden, Kunden und Mit…
zu badabing: Bei rund 700 Tsd. Geburten im Jahr (heißt: Gesamtmarkt mehrere Millionen Mütter/Väter heranwachsender Kinder) ist der Markt für ein entsprechendes Online Social Network (OSN) erstmal groß genug, würde ich sagen. Man muss sich ja nicht nur auf Babies beschränken!
Zudem gibt es im Bereich “Schwangerschaft/junge Mutter/junge Famile” in D ja bereits viele Foren (von muetter-forum.de über elternnetz.de bis urbia.de), die teilweise mehrere Hundertausend registrierte Nutzer haben. Heißt: Online-Affinität gegeben (und die nachwachsende Generation wird noch online/mobile-affiner sein).
Bleibt die Frage: Warum selber machen und nicht einfach einklinken? 1. Weil die bestehenden Angebote bei weitem nicht das abbilden, was heutzutage möglich ist/clever wäre.
Und 3. Weil man mit OSNs Geld verdienen kann.
Ob OSN-Strategien vom Erfolg gekrönt sind, hängt natürlich nicht nur von der Marktgröße und dem Konzept ab, sondern natürlich wesentlich auch von der Exekution. Und da gebe ich Dir Recht, ist es absolut wichtig, dass
Ob der CMA das gelingen wird (meines Wissens haben die doch schon: alleine-kochen-ist-doof.de), kann ich nicht beurteilen. Das Thema “Kochen/Küche/Geselligkeit” bietet auf jeden Fall genügend Potenzial …
ok