Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das Internet ist bei vielen in Deutschland ansässigen Food-Unternehmen nach wie vor nicht als Marketingweg etabliert. Warum das so ist? Ich denke, die Skepsis gegenüber dem Internet wird vorwiegend von zwei Vorurteilen geprägt:

  • Erstens: Bei vielen Food-Managern ist nach wie vor das Bild vom Hausmütterchen verankert, wenn sie von „ihrer Zielgruppe“ reden. Und dieser Typus steht, ihrer Meinung nach, mehr am Herd und sitzt weniger am PC.

  • Zweiter Irrtum: Es wird angenommen, dass (emotionale) Marken-/Produktwerbung, die appetitanregend und verkaufsfördernd wirken soll, nur über klassische Medien zu realisieren sei. Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Brandmanager mit dieser Meinung wohl eher allein. Denn in den USA wie in Japan wird erheblich mehr auf innovative Webstrategien gesetzt. Wenn auch nur in begleitender Funktion.

Besonders aufgefallen sind mir in letzter Zeit diese Aktivitäten aus der Brausewelt:

So startete Coca-Cola vor einigen Wochen die Kampagne „Virtual Thirst“, bei der User eingeladen wurden, in Second Life Ideen für virtuelle Verkaufsautomaten einzubringen, die alles können.

Virtual-Thirst

Wenn man an den klassischen Coca-Cola Auftritt denkt (z. B. Weihnachts-Truck), dann ist das schon ein riesiger, vielleicht auch gewagter Schritt. Ein Schritt, der aber auch zeigt, dass es sich selbst eine der teuersten Marken der Welt nicht erlauben kann, in ihrem Erscheinungsbild zu stagnieren und das Internet nicht als Chance zu sehen.

Das Internet wird unser Leben zukünftig noch mehr prägen. Und darum ist es für jede (Lebensmittel-) Marke essentiell, sich bereits heute in diesem Medium zu positionieren. – Was übrigens auch der Coca-Cola Wettbewerber Pepsi sehr clever macht.

Pepsi-Stars

So startete Pepsi aktuell in China eine neue Kampagne unter dem Motto „Creative Challenge“, bei der Internet-Nutzer die Pepsi-Dose gestalten können – wenn sie wollen, sogar mit ihrem Foto.

Darüber hinaus können die LKünstler dann untereinander in Kontakt treten. Heißt: Man ist also quasi Teil eines „Social-Blechworks“.

Ein weiteres Beispiel für User-Generated-Content aus der Brausewelt ist dieses hier (okay, es ist zwar eher konstruiert, aber erwähnenswert finde ich es allemal):

open-cola

So kursiert unter der webadresse open-cola.de eine Coca Cola als Open-Source-Getränk. Also ein quelloffenes Rezept für den Softdrink – das ist ja bekanntlich besonders pikant, wenn man an den Wirbel denkt, der um die geheime Mixtur gemacht wird. Erfunden wurde die User-generated-Cola von der Firma Open Cola Company im kanadischen Toronto, die es heute nicht mehr gibt. Ihr eigentliches Produkt war ein PC-Programm. Und die Website Opencola sollte eigentlich nur die Zusammenarbeit nach dem Peer-to-Peer-Prinzip erklären. Wen’s interessiert, kann hier bei Wikipedia noch mehr nachlesen.

Web 2.0 hat dieses spezielle Lebensmittelsortiment also, wie man sieht, schon voll erreicht. Und es schein mir nur eine Frage der Zeit, wann es auf andere Sortimente überschwappt – auch in hiesigen Gefilden.

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