Macht es überhaupt noch Sinn, sich bei der Flut neuer Lösungen ein eigenes Social Network zu bauen? Kann man auch mit wenig Kapital ein ansehnliches Wiki auf die Beine stellen? Wie geht man am besten vor, wenn man keine Leute kennt, die einem bei der Verwirklichung seiner Idee unterstützen können?

Eine verhältnismäßig risikolose und preiswerte Alternative ist es, hier auf Dienste zurückzugreifen, die es ermöglichen, seine eigene Web 2.0-Lösung kostenlos zu entwickeln.

Zwar ist man bei solchen Systemen immer eingeschränkt, was die Gestaltungsfreiheit und die Auswahl der Funktionalitäten anbelangt. Und auch an die Domain (z. B. „meineseite.ning.com“) muss man sich erstmal gewöhnen (wenn man nicht bereit ist, eine Gebühr für eine eigene Domain zu zahlen).

Andererseits sind solche Dienste (Beispiel Social Network) allein deswegen ganz praktisch, weil man ja eigentlich keine Lust hat, sich bei zig Communities anzumelden, bloß um mit unterschiedlichen Freunden in Kontakt zu bleiben, die aber meistens nicht alle unter einem Dach zusammenkommen. Ergo: Warum nicht sein eigenes Netzwerk/Wiki o.ä. ins Leben rufen?

Für den Bau von Homepages und Blogs kennt solche Gratis-Dienste ja (z. B. Oyla, Homepage-Baukasten.de, Blog.de, Blogger.com.) Aber selbst für komplexere Web 2.0-Lösungen gehören solche Dienste in den USA inzwischen fast zum Standard. Einige von denen, will ich kurz vorstellen. Wenn Ihr weitere Anbieter kennt, schickt mir bitte den Link.

Ning

Ning
Die amerikanische Plattform Ning ist wohl das populärste „Netzwerk der Netzwerke“. Mit Ning kann man nicht nur sein eigenes Social Network aufbauen. Vor kurzem hat Ning auch Services gelauncht, die dem User ermöglichen, innerhalb weniger Minuten ein eigenes YouTube oder eine Foto-Sharing-Plattform à la Flickr zu entwickeln.

Alle Tätigkeiten werden über ein zentrales Tool, die „Ningbar“, gesteuert, so dass man die Seite nicht verlassen muss, während man Content editiert. Andererseits kann jeder, der eine entsprechende Zugriffsberechtigung besitzt, Content via Handy oder PC hochladen, verschlagworten, kommentieren, in Alben zusammenfassen oder (wie ein Klon von Hot or not) bewerten/ranken. Wie gesagt: alles kostenlos!

Me

Me.com ist ebenfalls ein Gratis-Service, der es ermöglicht, sein eigenes Social Network zu bauen. Allerdings sind die erweiterten Module (Snap Pro und Snap Network) kostenpflichtig. Dazu gibt es Tools wie z. B. ein integriertes Google AdSense API, mit Hilfe dessen man zu 50% an den Einnahmen des Keyword-Programms partizipieren kann.

vilago21

Vilago21 ist ein neues Start-up aus München, das sich wohl überwiegend an Unternehmen richtet, die an einer White-Label-Lösung interessiert sind. Im Grunde kann man nicht viel machen, das Wenige reicht aber meines Erachtens für den nicht so kundigen Online-Nutzer aus: Freunde einladen und zu einem Netzwerk/einer Gruppe zusammenfassen, Profile anlegen und mit in anderen Profilen abgleichen, Aktionen und Termine verwalten, Statistiken erstellen, Geodaten/Karten-Verknüpfung usw.

Was interessant ist: Vilago bietet a) White-Label-Lösungen im Look des Unternehmens und b) die Möglichkeit für Crossmarketing-Aktionen. Heißt: Man könnte beispielsweise als Betreiber einer eigenen „Freizeit-Community“ über verschiedene Marketingtools mit allen Mitgliedern in Kontakt treten, die sich für Volleyball, Kiten oder was auch immer interessieren. Das hat natürlich gerade für den unerfahrenen Network-Betreiber den Vorteil, dass er hier einfach Reichweite für seine Netzwerk aufbauen kann (vorausgesetzt: bei Vilago21 haben sich insgesamt genügend User angemeldet).

White-Labels von Vialogo21 sind zwar kostenpflichtig, aber in einem überschaubaren Rahmen (bei 2.000 Usern etwa 2.000 EUR Einrichtungskosten).

wetpaintWikispaces

Ein Wiki eignet sich, wie wir seit Wikipedia wissen, hervorragend, um Informationen bzw. Projekte gemeinsam zu bearbeiten. Keine ellenlangen Korrespondenzen zwischen den Projektteilnehmern mehr; keine E-Mails, die, aus welchem Grund auch immer, verloren gingen. Mit einem Wiki lässt sich die Gruppenarbeit wesentlich leichter und professioneller koordinieren. Kostenlose Wiki-Lösungen sind beispielsweise:

Hier noch eine Liste weiterer Angebote.

WriteboardWikidotViawikiSocialtextPBwikiSynthasiteWikiaStikipadSeedwiki

Magnify.net

Und wer lieber sein eigenes YouTube bauen will, sollte sich z. B. einmal Magnify.net
ansehen.

mindtouch

Fazit: Social Media wird nicht nur populärer, sondern langsam auch für jedermann realisierbar – und damit weiter an Akzeptanz gewinnen. Private Social Networks, private Wikis, private Media-Plattformen werden wie natürlich zum Standard gehören – fast wie der eigene Mail-Account (okay, etwas übertrieben …).

Infolgedessen könnte der Wettbewerb unter den Web 2.0-Lösungen, wie vermutet, weiter zunehmen (s. Artikel vom 19.12.2006, These 5) und sich der Markt in diesem Bereich neu formen: vor allem weiter zergliedern. Gewinner? Wahrscheinlich Gratis-Plattformen wie die oben genannten. Verlierer? Die Nachzügler, die Sozialen Netzwerke und Mediasharing-Plattformen der zweiten und dritten Generation. Aber die haben ja jetzt schon Probleme, eine größere Fangemeinde zu generieren.