Okay, kein neues Thema, aber trotzdem diskussionswürdig. Seit Mitte April kann man auf dem Business Portal XING Profile für Unternehmen anlegen. Dieser Satz stimmt nicht ganz, denn die Firmenprofilseiten werden automatisch für jene Unternehmen generiert, die mit mehr als vier Premium-Profilen ihrer Mitarbeiter auf XING vertreten sind. Einige Blogger haben bereits kritisiert, dass Mitarbeiter automatisch im Unternehmensprofil aufgelistet werden und fordern, dass jeder XING-User selbst entscheiden soll, ob er auf dem Unternehmensprofil angezeigt wird oder eben nicht. Das sehe ich jedoch anders, denn alle Angaben bei XING sind freiwillig! Wenn jemand nicht mit einer Firma in Verbindung gebracht werden möchte, sollte er die dementsprechenden Angaben aus seinem Profil rausnehmen.

Staistiken der XING-Unternehmensprofile.Was ich jedoch bedenklich finde, sind die Statistiken, die über Altersstruktur, Länge der Firmenzugehörigkeit, Karrierelevel und Sprachkenntnisse der Mitarbeiter aufklären sollen. Hier wird z.B. die Betriebszugehörigkeit auf <1 Jahr gesetzt, wenn keine Angabe vorhanden ist. Woher der Organisationstyp kommt wird nirgends erklärt, auch die Branchenzuordnung ist zweifelhaft.

Genauso sieht es mit den Altersangaben aus. Nach einigen Klicks durch die größten deutschen Unternehmen (Deutsche Bahn, BMW, Post usw.),liegt der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter immer unter 30 Jahre. Dagegen sind die meisten Mitarbeiter laut XING-Unternehmensprofile im Management tätig. Im Gegenzug dazu, findet man selbst bei den großen Werbeagenturen wie Serviceplan oder Heye einen minimalen Prozentsatz an Berufseinsteigern, bzw. Praktikanten. Wer weiß wie die Agenturwelt tickt, muss sich hier ein Lachen verkneifen, aber natürlich hat der Prakti kein XING-Profil. Was sagt uns das? Online-Reputationsmanagement wird in dieser Zeit wohl hauptsächlich von den jüngeren Damen und Herren aus den oberen Positionen betrieben.

picture-1Ein weiterer Schwachpunkt ist die Tatsache, dass nur Mitarbeiter in einem Unternehmen zusammengefasst werden die eine exakt identische Schreibweise angegeben haben. So passiert es wie im Falle der webguerillas, dass der GF David Eicher gar nicht im XING-Unternehmensprofil der webguerillas erscheint, weil er bei der Firmenangabe in seinem Profil das Wörtchen GmbH nicht mit angegeben hat.

Mein persönliches Fazit: Da die Statistiken über die Mitarbeiter auf den XING-Unternehmensprofilen keine repräsentative Aussage besitzen, frage ich mich ernsthaft nach dem Mehrwert des Features. So konnte jeder XING-User sich bisher bereits über die normale Suchfunktion alle Mitarbeiter von einem Unternehmen anzeigen lassen.

Sollten die Unternehmensprofile aber zukünftig an Bedeutung für die PR-Abteilungen der Unternehmen gewinnen, könnte dies zur Folge haben, dass:

  1. Firmen eine Bestätigung einfordern, bevor eine Firmenangabe in XING genehmigt wird.
  2. Anweisungen eingeführt werden, wie XING-Profile einzutragen sind.
  3. Unternehmen somit immer mehr Einfluss auf die XING-Profile ihrer Mitarbeiter haben.

Diese Entwicklungen halte ich persönlich für äußerst bedenklich.

XING ist meiner Meinung für effizientes, digitales Networking und professionelle Kontaktpflege gedacht und sollte sich nicht in ein Reputationstool von Unternehmen verwandeln.