Es ist wohl kein Zufall, dass das Thema „Googeln in den eigenen Genen“ eines der Topics auf der diesjährigen DLD Conference war. Denn spätestens seit Google sein 2,9 Mio.-Dollar-Investment bei 23andMe bekanntgab, steht die Verbindung von Erbgut und Internet ganz oben auf der Agenda.

23andme

23andMe sitzt, wie könnte es anders sein, im Silicon-Valley und bietet Genanalysen für Privatkunden an. Genauer gesagt: Man hat die Chance, für 999 Dollar plus 45 Dollar Versandkosten das eigene Erbgut auf Krankheiten oder Vorprägungen wie z. B. Herzinfarkt- oder Krebsrisiken untersuchen zu lassen. Zunächst muss man sich auf der Webseite des Unternehmens registrieren und bekommt dann ein kleines Set zugeschickt. Dieses enthält Plastikröhrchen, die mit Spucke gefüllt werden müssen, welche die Grundlage für den DNA-Test liefert. Das Ergebnis wird dann auf der 23andMe-Webseite zur Verfügung gestellt. Sehen kann es aber nur der Absender der DNA, weil nur der einen entsprechenden Zugangscode bekommt.

Auch spiegel.de berichtete neulich ausführlich über das amerikanischen Start-up, das am 19.11.07 offiziell seine Arbeit aufnahm.

Eine zentrale Frage dürfte sein, inwieweit Google, welches ja nicht unerheblich an der Firma beteiligt ist, Zugriff auf diese Informationen erhält (eine der Gründerinnen von 23andMe ist mit Google-Gründer Sergey Brin verheiratet!) und diese eventuell sogar mit den eigenen Nutzerdaten bzw. eigenen Services, wie Google Health, verbindet.

navigenetics
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Auf jeden Fall dürfte 23andMe gegenüber Wettbewerbern (wie Navigenics oder deCode Genetics), die auch schon weltweit aus dem Boden sprießen, im Vorteil sein. Erstens, weil mit der Finanzkraft von Google der Service theoretisch auch kostenlos angeboten werden könnte. Und zweitens, weil sich in der Allianz mit Google über die reine Analyse hinaus zahlreiche Folgeservices entwickeln lassen. Ein Beispiel gefällig?

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Ist zwar (so weit ich weiß) keine Google-Beteiligung, aber ein Dienst, den Google genauso gut anbieten könnte: ScientificMatch ist ein neuer Datingservice, der im wahrsten Sinne des Wortes vorher matcht, ob die Chemie zwischen zwei potenziellen Partnern stimmt. Und verspricht ihnen, so sie optimal zusammenpassen, unter anderem ein glücklicheres Sexualleben mit einer höheren Rate an Orgasmen und gesündere Kinder.

Puuuh, Nachtigall, ich hör‘ dir trapsen. Da rollt was auf uns zu, vor dem wir uns wirklich in Acht nehmen sollten. Mir scheint, als würden sich solche Dienste quasi durch die Hintertür etablieren – im Sinne von: Internet-Dating-Plattformen, ach, die kennen wir doch … sind doch praktisch … und wenn die es mit neuen Datenquellen noch besser matchen können, warum eigentlich nicht … Dass wir dabei einen Schritt machen, mit dem wir unsere Intimsphäre restlos aufgeben, das wird einigen Menschen vielleicht erst später klar. Oder seht Ihr das anders?