Egomanie ist ja heutzutage kein Fremdwort mehr, sondern alltäglicher Begleiter von Web 2.0. Egomanie ist vielleicht sogar der bedeutendste Treiber für viele, die aktuelle Internetwelt charakterisierende Tendenzen (z. B. „Ich Empowerment“ und „User-Marken“, vgl. auch Artikel vom 19.12.2006: „2007: Das Web 2.0 Business wird real. 10 Thesen für das nächste Jahr.“) – wenngleich das, was am Ende rauskommt, doch weit weniger bedeutend, sondern eher belanglos ist (s. täglicher Video-Müll auf YouTube & Co.).

Ein neues Beispiel dafür, wie jemand sich und sein Handeln in den Mittelpunkt stellt und dies publikumswirksam präsentiert, habe ich in den USA entdeckt: Justin-TV.

Der 23-jährige Justin Kan aus San Francisco hält sein Leben offensichtlich für so spektakulär, dass er die Internetgemeinde daran teilhaben lässt. Zu diesem Zweck montierte er sich eine Kamera an den Kopf, überträgt sein Leben so via Livestream 24/7 ins Netz und hat sich geschworen, die Kamera bis an sein Lebensende mit sich zu führen (Ob zukünftige Partnerinnen da mitspielen, wird sich noch rausstellen. Andererseits: Was macht man nicht alles, um ins Fernsehen zu kommen …).

„Big Brother“ wird zu „Ich Brother“!

„Lifecasting“ nennt Justin Kan dieses Format und definiert damit – man kann von der Idee halten, was man will – meiner Meinung nach einen neuen Trend.

justin-tv

Mittlerweile gibt es viele Tausend Fans, die Kans (langatmiges) Treiben verfolgen und mit ihm über seine Internetseite und telefonisch interagieren. Und nicht nur das: Selbstverständlich hat sich die Industrie auch gleich eingeklinkt und das Projekt als Chance gesehen, ihre Marken via Product Placement zu präsentieren.

Kans großes Ziel ist es aber, ein Netzwerk von vielen „Lifecasters“ aufzubauen und eine Alternative zu klassischen TV-Programmen anzubieten. Ob dies gelingen könnte? Die Welt scheint derzeit verrückt genug …