Die Internetzensur in China hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Ab der kommenden Woche dürfen Computer nur noch mit einer vorinstallierten Zensursoftware „Grüner Damm“ verkauft werden – offiziell heißt es: Die Software diene alleine dem Schutz der Jugend vor Pornografie. Seit gestern ist der Zugang zu Google gekappt. 2406_internetzensur_500_2_500
In China gibt es nach Angaben der chinesischen Netzagentur (China Internet Network Information Center) 14 Millionen chinesische Webseiten und rund 160 Millionen Blogautoren. Das bedeutet natürlich viel Stoff, der sicherlich nicht immer regierungskonform ist. Im Klartext: Die chinesische Regierung dürfte mit der Zensursofware wohl größter Online-Monitoring Auftraggeber der Welt sein. Die chinesische Web-Community protestiert auf dem asiatischem Wege. Die Staatsmacht wird als kleines Schulmädchen in Polizeiunform karikiert, die anderen Mädels unter den Rock, bzw. in die Intimsphäre schaut. Natürlich wurde auch die Twitter-Community im Kampf gegen die Internetzensur eingeschaltet. Am 2. Juni wurde hier erstmals alle chinesischen Twitter-Accounts geblockt.

Der Pekinger Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hat diese Woche über Twitter seine Landsleute dazu aufgerufen, das Internet am Dienstag, den 1. Juli, ausgeschaltet zu lassen. An diesem Tag feiert die Kommunistische Partei ihr 88. Gründungsjubiläum. Am gleichen Tag soll die Filtersoftware offiziell eingeführt werden. Eine genaue Begründung, warum die chinesischen User das Internet boykottieren sollen, gibt Ai Weiwei allerdings nicht preis. In Anbetracht der vergangenen Vorfälle ist dies aber auch verständlich. Immerhin wurden schon mehrere seiner Blogs von der Regierung zensiert und offline genommen. Seit kurzem wird auch die Außenfassade seines Studios mit Kameras überwacht. Außerhalb Chinas ist AiWaiWais „bulloger“ Blog jedoch weiterhin zugänglich.

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Doch auch hierzulande haben sich einige Twitterer zusammengetan, um ihre chinesischen Twitterkollegen im Kampf gegen die Internetzensur zu unterstützen. Vor kurzem wurde aus Deutschland die erste Twitter-Revolte der Welt gestartet. Auf www.tweetrevolt.org kann jeder Twitterer sein Tweet und damit seine persönliche Meinung zur Internetzensur an die chinesische Regierung loswerden. Bisher gibt es knapp über 200 Tweets, die sich für „Freedom of Speech“ weltweit einsetzen.

Hat Twitter tatsächlich das Potenzial für ein neues und ernstzunehmendes Propaganda-Tool? Oder ist das Zwitschern für derartige Bewegungen doch zu leise? Was meint ihr?