Am Anfang war es nur eine Wette: Ashton Kutcher wettete, dass er bei Twitter schneller auf eine Millionen Follower kommen würde als der US-Nachrichtengigant CNN. Die Wette hat Kutcher knapp gewonnen, doch der Live-Ticker für das große Twitter-Race ist immer noch hoch im Kurs.
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Ein netter Stunt von Kutchers PR-Agentur könnte man meinen. So kann kein anderer so schön und ganz im User generated Couch-Videostil erklären, dass nur Twitter es möglich macht in wenigen Stunden mehr Aufmerksamkeit als eines der größten Medienunternehmen der Welt zu bekommen.

Doch das spannende ist nicht die Wette selbst, sondern die Diskussionen, die dadurch entstehen: Einige Twitterer sind nämlich der Meinung, dass Twitter eine Egobremse einlegen soll, indem man die Zahl der Follower auf den Twitterprofilen nicht mehr angezeigt. Doch würde das denn funktionieren?

So gilt bisher doch die einfache Rechnung. Je mehr Follower, desto beliebter bzw. wichtiger bist du in der Twitterwelt. Denn wer viele Follower hat, erhält logischerweise auch mehr Retweets auf die eigene Story und schafft somit Reichweite.

Die Autoren von TechCrunch liefern einen ersten Ansatz, was wohl passieren würde, wenn man nicht mehr sieht wie viele Follower jemand hat:

It would certainly take a lot of the pressure off users to gain more followers. And that could be a good thing. […] But at the same time, not having a follower count, could actually make people use Twitter less. And while that’s not necessarily a bad thing for many users, it means less overall activity on Twitter — and that is a bad thing for Twitter. If there’s no game to play, a lot of people would have no choice but to stop playing it. That could lead to a decrease in quantity — but perhaps an increase in quality.

Ob dadurch tatsächlich die inhaltliche Qualität der 140 Zeichen steigt, halte ich für äußerst fragwürdig. Aber die eigentliche Frage ist doch eine ganz andere:

Twitter, at its core, is supposed to be about communication, not your follower count. […] With the drive to increase follower counts, there’s certainly a concern that it’s becoming less about the core communication, and more about self-promotion and straight-up bullshit just tweeted out hoping that others will see it and start following you.

Ja, um was geht es den Twitterusern nun also? Um qualitative Kommunikation oder um Reichweite? Diese Frage lässt sich meiner Meinung nach durch den einen Satz beantworten:

Perhaps the greatest thing about Twitter is that it can be what you make of it.

Wer also klar auf Masse abzielt, wird sicherlich auch hier eine andere Strategie fahren als es die Twitterer tun, die Lust haben ihre Meinung einer interessierten Gruppe mitzuteilen. Niemand wird dazu gezwungen andere Tweets zu followen und niemand sollte eine Lebenskrise bekommen, wenn er weniger Follower als seine Twitterfreunde hat.

Fakt ist, dass Twitter das Rad nicht neu erfindet, sondern als ein Onlinedialogmedium verstanden werden sollte, das in unsere schnelllebige Zeit passt. 140 Zeichen passen eben mal besser auf den iphone-Screen als eine fünfseitige Dokumentation, und außerdem möchten wir alle auch manchmal einfach nur wissen, was Robert Basic zum Frühstück hatte oder welchen Movie sich Demi Moore gerade reinzieht. Qualitätiv hochwertige Infos sind eben nicht immer gefragt!

Dass die klassischen Nachrichtenwerte am Ende des Tages auch bei Twitter überzeugen, zeigt Kutchers Beispiel sehr schön. Welcher Normalsterbliche hätte es sonst geschafft, in binnen weniger Tage über eine Millionen Follower zu bekommen?