Spätestens seit man als Unternehmen den Markennamen in der Facebook-URL der eigenen Facebook-Page einbinden kann, hat die Social Community in Sachen Suchmaschinen-Marketing an großer Bedeutung gewonnen. Dadurch, dass die Sichtbarkeit durch Facebook in der Google-Welt verbessert wird, wird der Wunsch der Marketingverantwortlichen immer größer, ihre Brand auf Facebook zu bringen. Sucht man nach erfolgreichen Kampagnen im deutschsprachigem Raum sieht die Realität jedoch sehr mau aus. Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass es hier bisher kaum Best Practice Beispiele gibt. Um dies zu ändern, möchte ich hier unser bisherigen Learnings zur Facebook-Einbindung für unsere aktuelle Kampagne von <a href=”http://www.facebook.com/pages/Bacardi-Razz-DIE-PERFEKTE-PARTY/100624392655″”>BACARDI RAZZ “Die pefekte Party” vorstellen.

Kurz zur Kampagne selbst: BACARDI RAZZ sucht insgesamt vier Partytester, die ab Juli je Freitags und Samstags 12 Wochen lang auf privaten Partys in Deutschland unterwegs sind und dort mit Hilfe von originellen Tests und Umfragen die idealen Voraussetzungen für “Die perfekte Party” in Erfahrung bringen. Die Partytester berichten via Bild und Text von ihren Erlebnissen. Für die gesamte Kampagne wurde von uns eine Social-Media Strategie auf MySpace und Facebook aufgesetzt.
Hier unsere Checkliste mit den jeweiligen Maßnahmen, die wir für die BACARDI RAZZ Kampagne auf Facebook umsetzen.
1. Liefere aktuellen und interessanten Content!
2. Lass die eigenen Fans Content liefern.
3. Biete Deinen Fans Incentives an.
4. Frage Deine Fans nach Ihrer Meinung.
5. Nutze passende Applikationen.
6. Biete Tools für Mundpropaganda an, die auf Facebook eingesetzt werden können.
1. Liefere aktuellen und interessanten Content!
So banal es klingt, aber es ist wichtig, dass die Fans in regelmäßigen Abständen (bestenfalls täglich) interessanten Content auf der Facebook-Page einer Marke vorfinden. Wichtig ist hier natürlich die Interaktion mit den Fans.

Auf der Facebook-Page liefern wir die neusten Updates zum Bewerbungsverfahren für die Wahl zum Partytester. Wir stellen neue Bewerber vor oder rufen zum Voting für einzelne Kandidaten auf. Neben Tipps rund um das Thema, wie man den Traumjob als Partytester bekommt, stellen wir den Fans allgemeine Fragen zur Kampagne bzw. zum Produkt selbst.
2. Lass die eigenen Fans Content liefern.
Selbst die erfolgreichen Facebook-Kampagnen wie von Starbucks oder Vitaminwater ermöglichen es nicht, dass die Fans direkt auf der Wall der Page etwas veröffentlichen dürfen. Wir sind jedoch der Meinung, dass dies genau der einzig richtige Weg ist, mit den Fans der eigenen Marke in direkten Austausch zu treten. Die Facebook- Fanpage ist nicht als klassisches Markeninstrument zu sehen, sondern soll doch gerade ermöglichen, dass sich Fans ohne große Barriere zur Marke äußern können und somit die Themen auf der eigenen Wall selbst steuern. Wer sich entschließt seine Marke auf Facebook zu kommunizieren, muss daher bereit sein die völlige Markenhoheit hinter sich zu lassen.

Bei unserer Fanpage können Fans direkt auf der Wall eigene Postings veröffentlichen. Dies setzt auf der einen Seite ein hohes Maß an Vertrauen zur Fangemeinde voraus, auf der anderen Seite verlangt es ein ständiges Online-Monitoring. Dies heißt jedoch nicht, dass kritische Stimmen auf der Page gelöscht werden. Im Gegenteil. Der direkte Austausch soll es in erster Linie ermöglichen, dass wir auf die positiven und die negativen Stimmen der Fans reagieren können. Wichtig ist für uns, dass Fragen und Anregungen, die Fans auf unserer Wall veröffentlichen, schnell beantwortet und kommentiert werden. Gerade wenn Fans Content liefern, bedeutet dies für ein Unternehmen neben dem Zuhören auch Antworten.
3. Biete Deinen Fans Incentives an.
In dem Moment, da sich ein User als Fan einer Marke ausgibt, möchte er auch als solcher behandelt werden. Das bedeutet, dass man ihm Incentives wie z. B. Vergünstigungen auf Produkte, Insiderinformationen oder besondere Abstimmungsmöglichkeiten bieten sollte. Wer spannende Stories über eine Marke erfährt bzw. sich als Fan über Incentives dieser Marke freuen darf, hat auch Lust im eigenen Bekannten- und Freundeskreis positive Mundpropaganda für die Marke bzw. das Produkt zu machen. Warum? Weil er sich eben als Multiplikator der Marke sieht. Dies geschieht natürlich nur, wenn das Produkt bzw. in unserem Falle die Kampagne überzeugen kann.

Als Incentive findet bei der Kampagne “Die perfekte Party” eine Wildcard-Verlosung unter den Fans auf Facebook statt. Hierzu erhalten alle Fans die Möglichkeit einen kurzen Bewerbungstext zu verfassen. Die beste Bewerbung für den Traumjob wird mit einer Wildcard zum Casting nach Hamburg belohnt.
4. Frage Deine Fans nach Ihrer Meinung.
Über die Rubrik “Diskussionen” oder über einzelne “Polls” kann man über Facebook auf einfachem Wege ehrliches Feedback der eigenen Fans in Erfahrung bringen. Die Insights der Fans sind für ein Unternehmen besonders wertvoll, da es die User bereits gewohnt sind auf Facebook ihre Meinung auzutauschen. Die Hemmschwelle auf einer Wall einen Kommentar abzugeben oder an einer Umfrage teilzunehmen, ist somit geringer als auf einem klassischen Corporate Blog.

Die Fans der Gruppe sind in erster Linie an “guten Partys” interessiert. Daher starten wir auf unserer Page mehrere Diskussionen rund ums Thema und fragen direkt nach, welche Faktoren zur Ausrichtung einer perfekten Partys für die Fans von BACARDI RAZZ wichtig sind. Die Ergebnisse der Umfragen werden direkt auf der eigenen Wall veröffentlicht und können ebenfalls kommentiert werden.
5. Nutze passende Applikationen.

Es gibt mittlerweile verschiedenste Facebook-Applikationen, die man als Marke für seine Page einsetzten kann. Mashable hat kürzlich 30 nützliche Facebook Applikationen für Brands vorgestellt. Führt ein Unternehmen zum Beispiel ein Corporate Blog, so bietet die Applikation “Networked Blogs” die Möglichkeit den RSS-Feed des eigenen Blogs als neueste Updates automatisch auf der Fanpage einzubinden. Mit der Living Social-Applikation fordert man die Fans auf fünf persönliche Dinge zu einem Themengebiet auszuwählen. In dem Falle der neuen TNT Serie “Saving Graces” hat man in einem Serien-gebrandeten “Pick 5″ die Möglichkeit seine fünf “Saving Graces” auf die Frage “What gets you through a though day” auszuwählen. Die individuellen “Pick Five”-Antworten können anschließend auf der eigenen Wall veröffentlicht werden. Ziel ist es auch hier die eigenen Freunde zu animinieren ihr eigenes “Pick Five” zu erstellen.
Der Einsatz von Social Applikationen bei unserer Kampagne ist ebenfalls geplant. Hier stellt sich die Schwierigkeit, dass die meisten Social Applikationen bisher ausschließlich von amerikanischen Brands genutzt werden und die User der Applikationen somit auch hauptsächlich englischsprachig sind. Man muss die eigenen Fans also aktiv auf die eigene Social Applikationen aufmerksam machen. Wenn man davon ausgeht, dass Social Applikationen in Zukunft auch in deutschen Kampagnen auf Facebook vermehrt zum Einsatz kommen, wird sich hier auch eine neue Dimension für die Brandkommunikation innerhalb Facebooks ergeben. Ziel ist es den Facebook-Usern auf spielerischem Wege, die Benefits einer Marke näher zu bringen und ihnen Interaktion zu ermöglichen.
6. Biete Tools für Mundpropaganda an, die auf Facebook eingesetzt werden können.
Facebook ist als weiteres Medium bzw. als Verlängerung der klassischen Online-Kampagne ins Social Web zu verstehen. Es ist somit wichtig den Bogen zwischen der klassischen Kampagne und den Maßnahmen auf Facebook zu spannen. Eine Kampagnensite sollte daher prominent ankündigen, dass die Aktion auch auf Facebook stattfindet. Wichtig ist hier, dass man dem User in wenigen Sätzen darüber aufklärt, welche Vorteile er hat, wenn er der Facebook-Fanpage beitritt. Dies können Incentives, wie Vergünstigungen eines Produkts, Insidernews oder besondere Gewinnspielaktionen sein.

Jeder User, der sich als BACARDI RAZZ Partytester bewirbt, erhält unmittelbar nach Freischaltung seines Bewerberprofils einen Stimmzettel und einen Banner, den er auf seinem Blog bzw. seiner eigenen Homepage einbinden kann. Der Stimmzettel kann im Anschluss als Profilfoto bzw. auf die eigene Wall in Facebook geladen werden. Somit kann jeder Teilnehmer auf einfachem Wege seine Facebook-Freunde auf seine Teilnahme an der Aktion aufmerksam machen und sie gleichzeitig zum Voting animieren.
Am Ende interessiert uns natürlich Eure Einschätzung. Wird Facebook ein immer wichtigeres Medium für die Brandkommunikation im Netz oder sind die Unternehmen hierzulande noch nicht reif für Marketing 2.0 auf Facebook?
Super, endlich ein Überblick über Facebook-Möglichkeiten im Marketing und deren sinnvoller Einsatz. Danke Vee, toll gemacht!
Danke dir, das kann ich für die Umsetzung einer eigenen größeren Kampagne gebrauchen
schön auch, dass hier soclhe Offenheit gezeigt wird.
Leider ist halt Facebook immernoch ein Medium für die, die die VZs schon hinter sich haben. Meist stellt es erst den zweiten Schritt im Social Networking dar – die lustigen Plattförmchen StudiVZ und Co hinken hinterher, aber die User merken es nicht. Da ne funktionierende Kampagne aufzuziehen, mit Dynamiken wie bei Facebook, ist unmöglich.
Habt ihr Vergleiche zwischen der Größe der ZIelgruppen in FB und den VZs angestellt?
super anschaulich, klasse artikel, dankeschön!
meine vermutung: facebook fällt aktuell v.a. durch komplizierte, schwurbelige berichterstattung auf (klage VZ, seltsame interviews mit dem CEO etc.). auch erscheint mir die nutzung der plattform momentan noch zu abstrakt, zu weit entfernt, zu unrelevant für die leute, die budget- und markenverantwortung haben. es bleibt abzuwarten, wie sich das entwickelt, wenn der hype um twitter wieder nachlässt.
Immer mehr Twitterati merken, dass sie mehr antworten auf ihre Tweets bei Facebook erhalten als bei Twitter selbst. Was tumble und soup ausgezogen sind zu machen und was twitter macht, versammelt facebook recht effektiv auf einem Portal. Derzeit wird FriendFeed überflüssig gemacht – Facebook aber bleibt und wird darum -neben und vor Twitter- zunehmend an Bedeutung für Markenkommunikation gewinnen.
Klasse, endlich ein Praxisbeispiel anschaulich beschrieben.Die perfekte Kmapagne für die perfekte Party.
Das nenne ich mal super, kaum macht man bei einem solchen Projekt mit (unser Prof. hatte das kurz in der Veranstaltung Internet und Mobile angerissen), wird man auch noch in anderen Artikeln hervorgehoben! Gefällt mir ien besseren Push-Effekt gibt es nicht. Danke soweit! Votet doch bitte gleich für mich
http://bit.ly/qgcDA
Alles nur zum Zwecke der Studien versteht sich.
Danke für das Best Practice Beispiel
Danke für die Offenheit und das ihr noch mehr wie die momentanen 399 fans bekommt.
Super Kampagne, die ihr da fahrt! Hut ab! Bitte mehr von solchen Casestudies…
Bin kein Freund von aktuellen Formen des Social Marketing, weil es bisher nur die Ausweitung der üblichen Buzz-Word-Blasen bedeutet. Ich warte darauf, das für den Nutzer ein echter Vorteil entsteht und ich sehe aus kritischer Konsumenten-Sicht immer noch viele Gründe gegenüber den Industrien und Ihren Marken kritisch zu sein.
Klar wird bei Kritik “zugehört” aber wird deswegen die Kinderarbeit bei Nike in Bangladesch abgeschafft?
Also, Empfehlungen in sozialen Netzen sind super.
Die Marken stürzen sich sogleich auf die Möglichkeiten und versuchen stattessen diese Form der Auseinanersetzung zu nutzen um eigene Meinungs-Trends zu setzen – im eigenen Sinne, nicht im Sinne der Konsumenten.
Desshalb finde ich auch Euren eigenen Logo-Claim “Brainwash” sehr zu kritisieren.
Klar, ich nehme da etwas ernst, das mit einem Augenzwinkern viel besser zu verstehen sein sollte.
Aber wo ist die Nachhaltigkeit Eurer Arbeit, wenn Eure Aussagen nicht ernstzunehmen sind?
Radikalität ist das ganz sicher nicht.
Und entgegen Eurer eigenen Positionierung sollte Werbung klar gekennzeichnet sein und deshalb auch so gar nichts mit Guerilla-Taktik zu tun haben… das nennt man nämlich schlimmstenfalls Astro-Turfing.
Dafür gebt Ihr Euch hoffentlich nicht her.
Im Fazit heisst das aber auch: Ihr bedient selber nur Buzz-Words der Werbeindustrie.
Fasst die Kritik nicht all zu schwer auf. Ich denke Ihr macht Euch persönlich selber die gleichen/ähnliche Gedanken in der Selbstreflektion.
neustart
Klasse Schnittstelle für neue Unternehmen!