Da die Verschuldung der Staatshaushalte nicht nur permanent voran schreitet, sondern die staatlichen Finanzsysteme zu kollabieren drohen, ist es höchste Zeit gegen zu steuern und neue Erlösquellen zu schaffen. Vor diesem Hintergrund wurde die European Advertising Agency (EUAA) gegründet, welche für die EU die Organisation und Durchführung einer europaweiten Werbeliberalisierung forciert. So soll es, folgt man den Plänen der EUAA, demnächst z. B. möglich sein, amtliche Dokumente (wie Reisepass oder Führerschein), Euro-Banknoten, Wahllokale für Werbeaktionen zu nutzen und öffentliche Gebäude mit einem Namenssponsoring zu belegen (ähnlich wie dies bei Fußballarenen heute schon geht).

In einem halbstündige TV-Interview stellt sich der Präsident der EUAA nicht nur kritischen Fragen, sondern lässt sich zuguterletzt vor laufender Kamera das Logo eines Getränkeherstellers auf den Oberarm tätowieren, um damit seine persönliche Offenheit für neue Werbewege zu demonstrieren.

Spätestens jetzt wird klar: Bei dem Video handelt es sich nicht um einen authentischen Mitschnitt, sondern um eine Polit- und Mediensatire, welche eine kritische Auseinandersetzung mit Aspekten wie „Wirtschaftswachstum um jeden Preis“, „Geld und Moral“ bzw. der grenzenlosen Öffnung werbewirtschaftlicher Tabubereiche anstoßen will.

Die „EUAA“-Leute sind ebenso Teilnehmer der vom 14. bis 17. Mai in Linz stattfindenden Subversivmesse wie zahlreiche andere „subversive Elemente“: die Gruppe Ideal präsentiert z. B. den mobilen Sieb- und Stickerdruck, Köperl & Winkler führen ihre mobilen Recycling-Container vor, der Chaos Computer Club ist da und Richard Reynolds repräsentiert die Bewegung „Guerilla Gardening“, die u. a. mit Saatbomben heimlich Städte begrünen.

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Neben den Ausstellern gibt es auch zahlreiche Workshops, Exkursionen, Lectures und Performances, z. B. “Radical Clown Training”, “Sticker Award – mobiler Siebdruck”, “Stencil Workshop”, “Infra-redlight against Surveillance Cameras – Anleitung zum Selberbau”, Bärte basteln mit den Sissy Boyz”, “Precarecy – Müllexkursion”, “Ich&Ikea – Ikeaexkursion”, “Hörstörung – Stadtrundgang”, Lesung mit Autonome a.f.r.i.k.a. Gruppe – Handbuch der Kommunikationsguerilla, Dumpster Cooking – Esslesung u.v.m.

Wie immer man auch zu den einzelnen Angeboten stehen mag, neugierig bin ich schon auf die eine oder andere Technik, die im Rahmen dieser sog. „Fachmesse für Gegenkultur und Widerstandstechniken“ zu sehen sein wird.