Man fühlt sich etwas ertappt und ärgert sich vielleicht sogar ein bisschen. Natürlich auch, weil man die Pointe nicht vorhergesehen hat. Vor allem aber, weil man liest, von wem die Pointe kommt.

YEAH3000 – Die geilste Rekrutierungs-Kampagne des Planeten?

Und weil man sich wiederkennt im neuen, fiktiven Werbefuzzi auf der Website yeah3000.com. Der Kerl führt im Rekrutierungs-Video gutgelaunt und schlimm frisiert durch ein Hipster-Irrenhaus voller Social-Media-Schaumschläger, die den ganzen Tag nur Smoothies schlürfen und dufte gelaunt sündteure Marketing-Sprechblasen ohne Inhalt aufpumpen.

Gefragt nach dem eigentlichen Inhalt seiner Arbeit, kann der Hipster am Schluss natürlich nichts liefern, nur weiter mit buntem Firlefanz blenden. Dann die Dampfhammer-Pointe:

Was soll das heißen? Wer statt im Kreativ-Kindergarten in einem anständigen deutschen Verlag arbeiten möchte, kommt besser mal zu Axel Springer? Dem mit der BILD? Dem Besitzer jenes journalistischen Boxstalls, der uns allmorgendlich Schlagzeilen-Schwergewichte wie „Lehmanns irre Pipi-Pause“ oder „Diese Affenhitze – Werden wir jetzt alle Afrikaner?“ um die Ohren haut? Axel Springer SE ist vieles. Aber sicher nicht hip, da kann der jüngst zum Nerd mutierte Kai Diekmann sich noch so viele Datenbrillen aufsetzen.

Was geht hier grade ab?
Kanzeln Springers Werbestrategen hier also die Silicon Valley Whizzkids ab und richten ihre Werbung an erzkonservative „Mad Men“, die ihre Texte am liebsten immer noch auf überwachungssicheren Analogschreibmaschinen tippen würden?

Mitnichten, denn die Persiflage ist viel zu gut beobachtet und kann demnach nur von jener Bevölkerungsgruppe verstanden werden, die im Clip vermeintlich verarscht wird. Wer (soziale) Mediensprech-Memes wie „Katzen-Content“, „Food Porn“ oder den Kameo-Auftritt von BILD-Chef Diekman im Clip nämlich nicht erkennt, versteht auch gar nicht, warum der Schnurrbartschwafler überhaupt witzig ist.

Nicht von ungefähr sammeln zum Beispiel Viralclips wie Nerd vs. Geek Millionen Likes von genau jenen digitalen Eingeborenen, die sie aufs Korn nehmen. Und genau deshalb wird auch der YEAH3000-Clip gerade von jenen YouTube-Nutzern geteilt, die sich zwar nicht selbst als Geek betrachten, aber hip genug sind, um mit einem Start-Up zur Nummer Eins durchzustarten: ausgestattet mit medienkompetentem Scharfblick, technologisch auf dem neuesten Stand und vielleicht nicht ganz so individuell angezogen. Etwas BWL-affiner bitte, wie der kritisch nachfragende Springer-Modellbewerber am Ende des Clips.

Die Heroen der schönen neuen Medienwelt – das wissen die Macher von YEAH3000 – lachen gerne über sich selbst. Allerdings nur, wenn sie den Spiegel von ihresgleichen vorgehalten bekommen und genau das ist der zweite kluge Zug der Kampagne, neben der gelungenen Hipster-Persiflage: Der Axel springt darin erst ganz am Schluss aus der veganen Überraschungstorte.

Das Beste zum Schluss

Die beworbene Marke erst pointiert am Ende einer Sequenz zu präsentieren, bietet die Möglichkeit, deren Qualitäten zu beweisen, noch bevor diese durch mögliche mentale Presets der Rezipienten zugestellt werden. Mit anderen Worten: Der geniale Geek, der sich eben noch die Lachtränen von der Holzbrille wischt, ist am Ende so verblüfft, dass gerade die vermeintlich spießigen Start-Upper des Volks-Computers ihn hier so treffend karikiert haben. – Und denkt dann vielleicht doch über eine Bewerbung beim BILD-Verlagshaus nach.

Chapeau, darauf einen Iced Doubleshot Raspberry Soy Latte…